Akten mit der Statue der römischen Göttin Justitia, dem Symbol für die Rechtsprechung. (Foto: dpa)

Missbrauchsprozess gegen Kita-Busfahrer hat begonnen

Thomas Gerber / Onlinefassung: Sandra Schick   25.11.2019 | 12:50 Uhr

Vor dem Landgericht hat der Prozess gegen einen 71-jährigen Saarwellinger begonnen, dem die Staatsanwaltschaft schweren sexuellen Missbrauch vorwirft. Der Rentner soll sich über Jahre an Kindern vergangen haben, die er als Fahrer eines Fahrdienstes zu einem integrativen Kindergarten der Lebenshilfe gebracht hatte.

Dem Angeklagten werden knapp 100 Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung zur Last gelegt. Beim Prozessauftakt sprach die Staatsanwaltschaft von schlimmsten sexuellen Übergriffen, die teils mehrmals die Woche erfolgt seien. Seine Opfer seien vor allem ein Geschwisterpaar gewesen, das jüngere Kind war erst dreieinhalb Jahre alt. Der Angeklagte sei mit den Eltern der beiden Mädchen befreundet gewesen, habe sich ihr Vertrauen erschlichen, heißt es in der Anklage.

Video [aktueller bericht, 25.11.2019, Länge: 1:54 Min.]
Prozess gegen Kita-Busfahrer wegen Missbrauch begonnen

Angeklagter legt Geständnis ab

Die Beweislage scheint erdrückend: Der 71-Jährige hat sich während der Taten selbst gefilmt und fotografiert, ist auf den Videos und Fotos zu sehen. Er sitzt seit Juli in Untersuchungshaft. Zum Prozessauftakt legte er ein Geständnis ab. Für das, was er getan habe, schäme er sich, dafür gebe es keine Entschuldigung. Trotzdem entschuldigte er sich bei den Eltern gleich mehrfach.

Eltern entdeckten Foto auf der Kamera

Auf die Spur des Kinderschänders kamen die Ermittler durch einen Hinweis von Eltern. Sie hatten dem Angeklagten eine Kamera abgekauft und fanden ein anzügliches Foto ihres Kindes. Die Spezialisten der Kripo konnten den gelöschten Speicher wiederherstellen und entdeckten das kinderpornografische Material.

Der 71-Jährige ist nicht vorbestraft. Er muss mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen. Je nach Ausgang des psychiatrischen Gutachtens schloss das Gericht beim Prozessauftakt eine anschließende Sicherungsverwahrung nicht aus.

Verunsicherte Eltern

Der Fall hatte im Sommer zu erheblicher Verunsicherung bei Eltern geführt, deren Kinder den integrativen Kindergarten der Lebenshilfe in Saarwellingen besuchen.

Es war ein für Beobachter nur schwer erträglicher Prozessauftakt. Eine gute halbe Stunde lang verlas der Staatsanwalt die knapp 100 Fälle aus seiner Anklageschrift.

Über dieses Thema berichteten auch die SR-Hörfunknachrichten am 25.11.2019.

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