Nachbildung der Justitia neben einem Aktenstapel (Foto: dpa Bildfunk)

Mann muss wegen Hitlergruß und Gewalt 2700 Euro zahlen

Nadine Thielen   18.03.2019 | 16:20 Uhr

Weil er beim Gresaubacher Nachtumzug im vergangenen Jahr den Hitlergruß gezeigt und sein Mann vorsätzlich verletzt hat, hat das Amtsgericht in Lebach einen Mann zur Zahlung von 90 Tagesätze zu je 30 Euro verurteilt. Damit ist der Angeklagte nicht vorbestraft. Sein Opfer zeigte sich vom Prozessverlauf ernüchtert.

Kollegengespräch: "Der Nebenkläger war vollkommen überrascht von dem schnellen Prozessende"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Dorothee Scharner/Nadine Thielen, 18.03.2019, Länge: 02:35 Min.]
Kollegengespräch: "Der Nebenkläger war vollkommen überrascht von dem schnellen Prozessende"

Nachtumzug in Gresaubach vor einem Jahr: Für Matthias Naumann sollte es ein ausgelassener Freitagabend an Fastnacht werden, aber es kam ganz anders. Ein Mann pöbelt Naumann und seine Freunde – zwei Syrer – an. Naumann war fassungslos. Seinen Angaben zufolge hat der Mann „Wir sind hier immer noch in Deutschland. Sieg Heil, Sieg Heil, Sieg Heil“ gerufen und dabei den Hitlergruß gezeigt.

Spießrutenlauf durch die Behörden

Spießrutenlauf mit gebrochener Nase
Audio [SR 3, (c) SR Nadine Thielen, 18.03.2019, Länge: 02:26 Min.]
Spießrutenlauf mit gebrochener Nase

Naumann rief die Polizei. In der Zwischenzeit wurde der Mann handgreiflich. Naumanns Angaben zufolge gab er ihm drei Kopfstöße und brach ihm die Nase. Das Opfer stellte noch am gleichen Abend Anzeige. Doch in der Polizeidienststelle in Lebach fühlt er sich nicht ernstgenommen. Auch als er bei der Staatsanwaltschaft in Saarbrücken bei einer Rechtspflegerin seine eigene Akte einsehen will, macht er negative Erfahrungen. Einzig der Staatsschutz beim Landeskriminalamt habe ihn ernst genommen. Inzwischen hat sich die Oberstaatsanwaltschaft bei Naumann schriftlich entschuldigt.

Beim Prozess war Naumann als Nebenkläger vertreten. Da er keinen eigenen Anwalt hatte, zeigte er er sich vom schnellen Prozess-Ende überrascht und ernüchtert. Er kündigte an, mithilfe eines Anwalts zivilrechtlich Schadenersatz einzufordern. „Das hätte man anders lösen können, aber es sollte wohl nicht allzu viel zur Sprache kommen“, sagte er dem SR.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "Gute Morgen" auf SR3 Saarlandwelle vom 18.03.2019 berichtet.

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