Strafprozessordnung und Gerichtsakten (Foto: dpa/Bodo Schackow)

Ärztekammer gerät im Pathologenprozess unter Druck

Thomas Gerber / Onlinefassung: Kasia Hummel   02.05.2022 | 17:11 Uhr

Im Pathologenprozess vor dem Saarbrücker Landgericht ist am Montag die Ärztekammer des Saarlandes weiter unter Druck geraten. Grund ist die Aussage einer früheren Oberärztin der Hautklinik Homburg. Dem St. Ingberter Pathologen H. werden fehlerhafte Krebsdiagnosen zur Last gelegt.

Nachdem der angeklagte Pathologe im Prozess um falsche Krebsdiagnosen bereits am zweiten Prozesstag von Betroffenen belastet worden war, ist am Montag die Ärztekammer des Saarlandes unter Druck geraten.

Eine frühere Oberärztin der Hautklinik Homburg berichtete, in einer standesrechtlichen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten Dr. H. habe die Kammer den heute 63-Jährigen geschützt.

Video [aktueller bericht, 02.05.2022, Länge: 2:34 Min.]
Ärztekammer gerät unter Druck

Oberärztin sagt vor Gericht aus

Für die Oberärztin steht fest: Die Befunde aus dem St. Ingberter Institut des Beschuldigten H. waren mehr als zweifelhaft. Gutartige Tumore seien als bösartig, bösartige als gutartig eingestuft worden. Seit 2009 sei ihr das aufgefallen. H. habe dann schließlich ein Verfahren gegen sie bei der Ärztekammer angestrengt - wegen unkollegialen Verhaltens.

Der Streit endete 2013 mit einer Schlichtung. Trotz der eindeutig falschen Diagnosen sei sie von der Kammer nicht unterstützt worden, im Gegenteil - so die Hautärztin. H. sollte offenbar geschützt, sie mundtot gemacht werden.

Ärztekammer weist Vorwurf zurück

Die Ärztekammer hat diesen Vorwurf auf SR-Anfrage inzwischen zurückgewiesen. Keiner sei gedrängt worden, der Schlichtung zuzustimmen. Die Oberärztin sei damals durch einen Anwalt vertreten worden.

Kammerpräsident Josef Mischo ist inzwischen allerdings selbst ins Visier der Ermittler geraten. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen versuchten Totschlags angeklagt. Mischo habe von der Suchterkrankung des Beschuldigten H. gewusst, die Approbationsbehörden aber darüber nicht informiert und so falsche Krebsdiagnosen von H. "billigend in Kauf genommen".

Falsche Diagnosen

Der Pathologe Dr. H. aus St. Ingbert muss sich wegen falscher Diagnosen bei sechs Patientinnen und Patienten verantworten. Ein Betroffener starb an den Folgen einer mutmaßlich nicht notwendigen Darmoperation.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 02.05.2022.

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