Der angeklagte Pathologe mit seinem Verteidiger im Gerichtssaal (Foto: BeckerBredel)

Prozess gegen St. Ingberter Pathologen gestartet

Thomas Gerber / Onlinefassung: Thomas Braun   11.04.2022 | 12:49 Uhr

Vor dem Landgericht Saarbrücken hat am Montag der Prozess gegen einen St. Ingberter Pathologen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 63-Jährigen vor, Gewebeproben falsch diagnostiziert zu haben, so dass entweder unnötige Krebsoperationen durchgeführt wurden oder Patienten nicht rechtzeitig behandelt worden waren.

Körperverletzung, Körperverletzung mit Todesfolge und versuchter Mord: Diese Straftaten legt die Anklage dem 63-jährigen Mediziner zur Last. Er soll bei Gewebeproben fehlerhafte Krebs-Diagnosen erstellt haben, so dass Patienten entweder unnötigerweise operiert wurden oder gar nicht behandelt worden waren.

Video [aktueller bericht, 11.04.2022, Länge: 3:01 Min.]
Prozessbeginn gegen St. Ingberter Pathologen

Verteidigung geht von fahrlässigem Handeln aus

In zwei der sechs angeklagten Fälle hat der Beschuldigte zumindest Fehler eingeräumt. Allerdings ließ er über seinen Verteidiger den Vorwurf der Staatsanwaltschaft zurückweisen, dass er bedingt vorsätzlich gehandelt habe. Dass er nämlich im Wissen um seine eigene Alkohol- und Medikamentensucht trotzdem quasi am Fließband histologische Befunde gestellt habe.

Die Verteidigung geht von fahrlässigem Handeln aus - wobei die Konsequenzen in einigen Fällen gravierend waren.

Fehldiagnosen mit gravierenden Folgen

In Folge einer falschen Krebsdiagnose wurde einer 59-Jährigen in der Uniklinik Mainz der Gaumen entfernt, ihr Gesicht ist bis heute entstellt. Ein Patient wurde am Enddarm operiert - es kam zu Komplikationen. Der 55-Jährige bekam eine Sepsis, verstarb kurz nach der OP an Multiorganversagen in einer Klinik im Saarland.

Die Anklage geht davon aus, dass die falsche Krebsdiagnose ursächlich für den Tod des Mannes war. Es hatte allerdings offenbar auch gravierende Behandlungsfehler in der Klinik gegeben.

Prozess gegen St. Ingberter Pathologen gestartet
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 11.04.2022, Länge: 03:12 Min.]
Prozess gegen St. Ingberter Pathologen gestartet

In Vorgesprächen mehrjährige Haft gefordert

In Vorgesprächen mit dem ehemaligen Verteidiger des Mediziners hatte die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren gefordert - vorausgesetzt er legt ein Geständnis ab.

Der Arzt verbüßt derzeit noch eine Haftstrafe. Er war Mitte 2020 wegen Abrechnungsbetrugs und Bestechung von Ärzten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden.  

Auch Anklage gegen Präsident der Ärztekammer

Im Rahmen des jetzigen Verfahrens war auch der Präsident der Saarländischen Ärztekammer, Josef Mischo, ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Gegen Mischo liegt eine Anklage vor, weil er von dem Alkoholproblem des Pathologen gewusst und die Approbationsbehörden darüber nicht rechtzeitig informiert haben soll.  

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 11.04.2022 berichtet.

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