Mettlachs Bürgermeister Carsten Wiemann (Foto: Imago/Becker&Bredel)

Auf Kappelt: Geständnis von Wiemann

Thomas Gerber / Onlinefassung: Thomas Braun   18.08.2017 | 12:28 Uhr

Im Prozess um den Immobilienskandal "Auf Kappelt" hat der ehemalige Mettlacher Bürgermeister Carsten Wiemann ein Geständnis abgelegt. Zum Auftakt der Verhandlung vor dem Saarbrücker Landgericht räumte der frühere SPD-Politiker ein, es sei ihm auch ums Geld gegangen. Wiemann sprach von einem Fehler. Mitangeklagt sind seine früheren Parteikollegen Rausch und Stritter.

Wiemann gab sich reuig. Mehrfach entschuldigte er sich für sein Verhalten - auch dafür, dass er die politischen Gremien, insbesondere den Ortsrat von Saarhölzbach, belogen habe. Der 50-jährige Diplomingenieur räumte ein, dass es ihm auch ums Geld gegangen sei. Seine Gattin, die vorübergehend Gesellschafterin der Grüner Kreis Immobilien GKI gewesen war, sollte von der Vermietung des ehemaligen Hotels als Flüchtlingsunterkunft auch finanziell profitieren.

Bei dem Deal gab es laut Wiemann eine Art Arbeitsteilung: Er sollte als Bürgermeister für den Abschluss des Mietvertrags sorgen, Ex-SPD-Fraktionschef Rausch sollte sich als Jurist um das Gesellschaftsrechtliche kümmern und Stritter als Verwaltungsrat der Merziger Sparkasse das Darlehen zur Vollfinanzierung der Immobilie besorgen.

Rausch bestreitet Vorwürfe

Während Wiemann also geständig war, bestritt Rausch die Vorwürfe in Sachen Vorteilsgewährung. Er räumte lediglich den mitangeklagten Gründungsschwindel bei der Anmeldung der GKI in Berlin teilweise ein. Dass er die Einlage von 25.000 Euro anders als behauptet gar nicht erbracht hatte, sei allerdings lediglich ein Irrtum gewesen. Stritter äußerte sich heute nur zur Person. Der 67-Jährige ist gesundheitlich angeschlagen und laut ärztlichem Attest nur stundenweise verhandlungsfähig.

Finanzielle Vorteile für die Angeklagten

Die Anklage wirft den ehemaligen Parteifreunden vor, sich durch den Immobiliendeal einen beträchtlichen finanziellen Gewinn verschafft zu haben. Nach Abzug der Finanzierungskosten blieben ihnen pro Jahr jeweils rund 6400 Euro Gewinn sowie eine schuldenfreie Immobilie. Die GKI hatte das ehemalige Hotel zuvor für 210.000 Euro von der Sparkasse Merzig ersteigert. Der Prozess vor dem Landgericht ist bis Ende September angesetzt.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 18.08.2017 berichtet.

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