Eine Prostituierte steht in einem Bordell am Fenster ihres Arbeitszimmers. (Foto: picture alliance/dpa | Markus Scholz)

Prostituierte im Saarland durch Lockdown in Not

Melina Miller   24.01.2021 | 08:30 Uhr

Seit Anfang November ist es Prostituierten im Saarland zum zweiten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie verboten, ihr Gewerbe auszuüben. Viele betroffene Frauen wenden sich deshalb aus finanziellen Nöten an den Verein Aldona, der saarländische Prostituierte berät und unterstützt.

Viele Prostituierte im Saarland haben momentan mit finanziellen Einbußen zu kämpfen. Denn seit November 2020 sind Bordelle, Prostitutionsstätten und andere Einrichtungen aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit werde den Frauen ihre Existenzgrundlage entzogen, sagt Sabrina Burkhart von der Beratungsstelle für Prostituierte im Saarland, Aldona e.V..

Bereits im Frühjahr waren Bordelle und ähnliche Einrichtungen monatelang geschlossen, der Straßenstrich ist seit März 2020 durchgehend verboten. Diese Regelung wurde auch in der neuen Corona-Verordnung festgehalten und damit bis Mitte Februar verlängert.

Hürden bei staatlichen Hilfen

Wie auch im ersten Lockdown ist es Prostituierten in finanzieller Not nach Angaben des Wirtschaftsministeriums grundsätzlich möglich, staatliche Hilfen zu beantragen, wie dies auch für andere Selbstständige gilt. Als "unternehmensbezogene Fixkosten“ könnten in den Anträgen unter anderem Internetverträge zu Zwecken der Eigenwerbung, Inserat-Abos oder gemietete Wohnungen zur Ausübung des Gewerbes angegeben werden, teilte eine Sprecherin mit.

Sabrina Burkhart von Aldona schätzt die Hürden aktuell aber als höher ein als bei den ersten Soforthilfen im März 2020. Unter anderem, weil in vielen Fällen ein Steuerberater nötig sei, der den Antrag auf die November- und Dezemberhilfen einreichen muss. Dieser müsste dann selbst bezahlt werden.

Notfonds für Überbrückungszeit

Der Verein Aldona betreue momentan viele Frauen, die Arbeitslosengeld beantragen müssen. Auch die Überbrückungszeit zwischen früheren und neuen Bewilligungen gestalte sich für viele Betroffene schwierig und bedürfe deshalb der Unterstützung - etwa, wenn durch eine Lücke zwischen zwei Bewilligungszeiträumen kein Geld zur Verfügung stehe.

In diesen Fällen könne der Verein seit November Frauen in prekären Situationen durch einen Notfonds unterstützen, der dank einer zweckgebundenen Spende entstanden sei. "Darüber hinaus geben wir seit dem ersten Lockdown Tafelgutscheine an bedürftige Frauen aus", ergänzt Burkhart.

Vermehrt Online-Angebote

Aufgrund der Lockdown-Regelungen bieten nach Angaben des Vereins viele Prostituierte ihre sexuellen Dienstleistungen vermehrt auf Online-Portalen an. "Die Verlagerung auf Online-Portale meint, dass Dienste sowohl in digitaler Form angeboten werden, als auch, dass Freier verstärkt online angeworben werden", erklärt Burkhart. Außerdem habe sie von Frauen gehört, die sich aus Angst vor einer Coronainfektion trotz Verbots auf einige wenige Stammfreier beschränken würden.

Fälle von ausländischen Prostituierten, die eigentlich im Saarland arbeiten, mit Beginn des zweiten Lockdowns aber wieder in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt sind, seien der Beratungsstelle nicht bekannt. "Auch dann nicht, wenn wir Zuschüsse bei den Reisekosten angeboten haben", so Burkhart.

Anders sei dies noch im ersten Lockdown im März 2020 gewesen: "Viele Frauen sind entweder in ihre Herkunftsländer zurück, oder aber auch in andere Bundesländer abgereist, in denen die Prostitutionsausübung zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht verboten war."

Frühes Verbot im Saarland

Das Saarland hatte bereits im Frühjahr als eines der ersten Bundesländer alle Formen von Prostitution ausdrücklich untersagt. Das hatte schon im Mai letzten Jahres dazu geführt, dass den Aldona-Verein vermehrt Hilfsgesuche von verzweifelten Frauen erreichten. Im Sommer 2020 war es saarländischen Prostituierten dann zeitweise und unter strengen Auflagen möglich, ihrer Arbeit nachzugehen. Unter anderem auch, weil eine Bordellbetreiberin gegen die Regelung geklagt und Recht bekommen hatte.

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