Straßenstrich in Saarbrücken (Foto: dpa)

Prostituierte auch im Saarland in Not

Axel Wagner   31.05.2020 | 08:42 Uhr

Der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen fordert, die in der Coronakrise verfügten Schließungen aller Prostitutionsstätten umgehend wieder aufzuheben. Das geht aus einem Offenen Brief an 16 Bundestagsabgeordnete hervor. Auch im Saarland hat sich die Situation der Prostituierten verschlechtert.

Anfangs war die Situation im Saarland noch besser als in vielen anderen Ländern. Durch die frühe Umsetzung der Coronaverordnung hätten viele Frauen noch die Gelegenheit nutzen können, zu ihren Familien zu fahren oder in andere Bundesländer auszuweichen, sagte Sabine Burkhart vom Verein Aldona, der die Frauen berät, Anfang April dem SR.

Deutlich höherer Beratungsbedarf

Inzwischen hat sich aber auch hier die Lage geändert. „Im Vergleich zu den ersten Wochen der Corona-Maßnahmen verzeichnen wir einen deutlich höheren Beratungsbedarf“, sagte Antje Stolz von der Beratungsstelle jetzt auf neuerliche Nachfrage. Insgesamt hätten sich in diesem Jahr bereits 47 Sexarbeiterinnen an die Beratungsstelle gewandt. Schon Anfang des Jahres hätten die Frauen berichtet, dass aufgrund der Coronakrise in anderen Ländern weniger sexuelle Dienstleistungen in Anspruch genommen werden. Auch den Bordellen macht die Krise zu schaffen. Ein Betreiber aus dem Kreis Saarlouis geht inzwischen per Eilantrag gegen das Verbot der Landesregierung vor.

In den Beratungsgesprächen gehe es vor allem darum, dass den Frauen durch das Verbot der Prostitution, das seit dem 16. März gilt, die Einkünfte wegbrechen. Viele von ihnen hätten keine finanziellen Rücklagen oder diese bereits ausgeschöpft, so Stolz. „Aus diesem Grund suchen uns Sexarbeiterinnen auf, um Beratung und Hilfe bezüglich des Bestreitens ihres Lebensunterhaltes zu erhalten. Aktuell unterstützen wir unsere Klientinnen am häufigsten bei der Beantragung von Sozialleistungen.“

Viele Unklarheiten

Ob im Zuge der von der Landesregierung verfügten Lockerungen auch Prostituierte wieder ins Saarland zurückgekehrt sind und ob einige trotz des Verbots heimlich weitergearbeitet haben, dazu kann die Beratungsstelle keine Angaben machen. „Ob und inwieweit Sexarbeiterinnen dieser Verfügung nachkommen, kontrollieren und erfragen wir nicht aktiv“, so Stolz. „Nach Inkrafttreten des Arbeitsverbotes haben wir bei unserer letzten Aufsuchenden Arbeit auf dem Straßenstrich keine Sexarbeiterinnen angetroffen. Auch Werbeanzeigen im Internet sind zurzeit größtenteils pausiert.“

Auch ist unklar, wie viele der Frauen das Saarland verlassen haben. „Sexarbeiterinnen sind im Rahmen der Beratung nicht dazu verpflichtet, Angaben zu ihrer Nationalität oder ihrem gewöhnlichen Aufenthaltsort, Reiseplänen et cetera zu machen“, sagte Stolz. Daher könne man dazu keine Aussage treffen. „Allerdings haben uns Klientinnen berichtet, dass sie aufgrund von Grenzschließungen nicht in das Heimatland reisen konnten.“

Kein Corona-Fall bekannt

Aussagen dazu, ob und wie weit sich das Coronavirus unter den Prostituierten verbreitet haben könnte, sind ebenfalls nicht möglich. Antje Stolz vom Beratungsverein Aldona: „Uns ist kein Fall bekannt.“

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