In einer Schwimmhalle nehmen Kinder an einem Schwimmkurs teil. (Foto: picture alliance / dpa | Patrick Pleul)

Schwimmprojekt nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Sandra Schick   20.06.2021 | 11:20 Uhr

Weil während der Corona-Pandemie so gut wie keine Schwimmkurse stattfinden konnten, hat das Land nun das Projekt Schulschwimmen gestartet. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, warnen Schwimmschulen und DLRG. Es brauche mehr Anstrengungen, sonst fielen zu viele Kinder durchs Raster.

Immer weniger Kinder können im Grundschulalter sicher schwimmen. Die Corona-Pandemie hat dieses Problem noch weiter verschärft: Weil Schwimmbäder monatelang geschlossen waren, fallen seit über einem Jahr die Schwimmkurse weitgehend aus. Auch im Schulsport konnte kein Schwimmunterricht stattfinden.

So funktionieren die Projekttage

Um wenigstens etwas Abhilfe zu schaffen, gibt es nun die "Projekttage Schulschwimmen" im Saarland. Grundschulen können sich beim Landesinstitut für Präventives Handeln (LPH) für das Projekt anmelden und erhalten dann Unterstützung bei der Durchführung. Das LPH vermittelt Übungsleiter und hilft dabei, Schwimmbäder und -zeiten für die Schulen zu finden.

Die Projekttage umfassen fünf Unterrichtseinheiten mit je zwei Unterrichtstunden innerhalb einer Zeit von maximal zwei Wochen. Am Ende des Schwimmunterrichts soll der Lernerfolg im neuen saarländischen Schulschwimmpass festgehalten werden. Er wird den Schulen kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Nur wenige Schüler dabei

Allerdings wird wohl nur ein kleiner Teil der Grundschüler diesen zusätzlichen Schwimmunterricht erhalten. Wie das LPH auf SR-Anfrage mitteilte, haben sich von rund 160 Grundschulen bisher rund 30 angemeldet.

Ein Grund könnte sein, dass das Projekt von Juni bis Juli angesetzt ist - nicht mehr viel Zeit also bis zu den Sommerferien, die am 19. Juli starten. Für viele Schulen war das organisatorisch nicht so schnell zu stemmen. Allerdings kündigte das LPH bereits an: Bei hoher Nachfrage wolle man das Projekt auch nach den Ferien fortführen.

Zu wenige Bäder für Schwimmkurse

Trotzdem brauche es nun zusätzlich weitere Anstrengungen für die Schwimmanfänger, sagt DLRG-Pressesprecherin Kathrin Angnes. Die DLRG ist Partner bei dem Schulprojekt. Man könne damit nicht alles aufholen, was im Coronajahr versäumt wurde, aber es sei "zumindest ein wichtiger Anfang", so Angnes. Darüber hinaus brauche es aber auch gerade jetzt im Sommer viele zusätzliche Anfänger-Schwimmkurse, um wenigstens einen Teil des Rückstandes aufzuholen. Die Vorbereitungen dazu liefen bereits.

„Sicher! Unsere Kinder lernen schwimmen“
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 24.06.2021, Länge: 04:11 Min.]
„Sicher! Unsere Kinder lernen schwimmen“

Doch: "Unser Hauptproblem sind nach wie vor die Bäder", so Angnes. Seit Jahren würde immer weniger Schwimmunterricht angeboten, weil es zu wenige Bäder in erreichbarer Nähe gebe, die Zeiten für Kurse blocken könnten. Nun habe die Landesregierung immerhin zugesagt, über die Sommermonate in jedem Landkreis zumindest ein Hallenbad speziell für den Schwimmunterricht geöffnet zu halten.

Private Schwimmschule auf dem Trockenen

Zudem hatte das Sportministerium bereits im Mai angekündigt, Bäder finanziell unterstützen zu wollen, damit mehr Schwimmkurse stattfinden können. Doch das hat bisher offenbar nicht überall den gewünschten Effekt gehabt.

Melanie Reuling, Leiterin der Bewegungsschule Spektrum in Saarbrücken, sagte dem SR: "Wir haben derzeit rund 100 Kinder, deren Anfängerkurs seit Corona unterbrochen ist. Wir könnten sofort wieder starten - doch auch uns fehlt ein Bad." Die private Schwimmschule führt normalerweise ihre Kurse in Gersweiler und Fechingen durch - doch seit Corona sitzt sie auf dem Trockenen.

"In Fechingen hatte zunächst die Öffnung des Freibades Priorität. Dort wird man wohl erst im September das Hallenbad für uns öffnen. Obwohl das Personal vor Ort wirklich sehr engagiert ist und uns gerne früher reinlassen würde", so Reuling. Das Schulschwimmbecken in Gersweiler bleibe in den Sommerferien wohl ebenfalls geschlossen.

Es verstreicht also wieder jede Menge Zeit, in der zahlreiche Kinder schwimmen lernen könnten.

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