Viele Fahrgäste drängen morgens sich an der Saarbahnhaltestelle in Kleinblittersdorf (Foto: Saarbahn)

Volle Saarbahn - leerer Zusatzbus

Sandra Schick   18.11.2020 | 13:36 Uhr

Überfüllte Busse und Bahnen – das sollte zu Corona-Zeiten eigentlich nicht vorkommen. Deshalb kommen derzeit Verstärkerbusse zum Einsatz. Doch offenbar hilft das nur bedingt: Eltern berichten weiter von haarsträubenden Zuständen im Schulverkehr. Gleichzeitig bleiben mancherorts aber auch Verstärkerbusse leer.

Video [aktueller bericht, 18.11.2020, Länge: 03:01 Min.]
Saarbahn kritisiert geringe Nutzung von Zusatzangeboten

Insgesamt 86 Verstärkerbusse sind nach Angaben des Verkehrsministeriums aktuell im Saarland zu Stoßzeiten zusätzlich auf den Straßen. Sie sollen eigentlich dafür sorgen, dass sich Kinder auf dem Weg zur Schule nicht dicht an dicht in Bus oder Bahn quetschen müssen. Rund eine Million Euro hat das Land dafür bereit gestellt. Doch offenbar können die Zusatzbusse das Problem bisher nicht überall zufriedenstellend lösen.

Eltern berichten von Problemen

Übersicht
Verstärkerbusse im SaarVV
Auf der Homepage des SaarVV gibt es eine Übersicht über alle Verstärkerbusse im Saarland.

Stefan Kreis von der Gesamtlandeselternvertretung (GLEV) sagt, die Situation sei „nach wie vor schwierig“, zu Stoßzeiten teilweise sogar „haarsträubend“. Es gebe in vielen Städten und Kommunen immer noch Probleme mit zu vollen Bussen und Bahnen. „Das sind leider keine Einzelfälle“. Viele Eltern hätten daraus die Konsequenz gezogen, die Kinder lieber gleich mit dem Auto zu fahren.

„Es ist den Kindern nicht zu vermitteln, dass sie einerseits dicht gedrängt im Schulbus stehen, sich aber mittags nicht mit ihren Freunden zum Spielen treffen dürfen“, so Kreis. Auch Bernhard Strube von der Landeselterninitiative für Bildung findet, es diene nicht der Akzeptanz von Corona-Regeln, wenn es toleriert werde, dass in Schulbussen Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.

Über 100 Verstärkerfahrten

Volle Saarbahn - leerer Zusatzbus
Audio [SR 3, Jürgen Rinner, 18.11.2020, Länge: 02:26 Min.]
Volle Saarbahn - leerer Zusatzbus

Dabei stellt sich die Frage, ob wirklich zu wenig Busse unterwegs sind - oder ob das Problem nicht woanders liegt. Nach Angaben von Saar Mobil, werden aktuell im Landkreis St. Wendel und im Saarpfalz-Kreis zusammen jeden Tag rund 47 Verstärkerfahrten gemacht. In Saarbrücken sind es im Einzugsbereich der Saarbahn 13 Fahrten. Insgesamt weist der Saarländische Verkehrsverbund (SaarVV) auf seiner Homepage 118 Fahrten für das ganze Saarland aus. Dort sind alle Busfahrten zu finden, die dem SaarVV gemeldet wurden.

Saarbahn voll - Ersatzbus leer

Leere Busse - volle Saarbahn
Audio [SR 1, Christian Balser, Kerstin Mark, 20.11.2020, Länge: 06:07 Min.]
Leere Busse - volle Saarbahn

Ulrike Reimann von der Saarbahn sieht das Problem klar an einer anderen Stelle: Die Schüler nutzten die Zusatzbusse nicht. „Viele Verstärkerbusse fahren leer. Vor allem die Zusatzbusse zur Saarbahn werden ganz schlecht angenommen.“ Seit letzter Woche werde sogar Personal an bestimmten Haltestellen eingesetzt, das die Leute darauf hinweisen soll, den Verstärkerbus statt der überfüllten Bahn zu nutzen.

Aber: „Man kennt das ja: Die Leute steigen immer in den ersten Bus ein, der kommt. Auch wenn direkt dahinter der Bus steht, der die gleiche Strecke fährt.“ Das sei insbesondere bei den Schülern zu beobachten. „Die nehmen das nicht richtig an.“

Saar-Mobil: Busse werden gut genutzt

Im Landkreis St. Wendel und im Saarpfalz-Kreis hat man allerdings ganz andere Erfahrungen gemacht. Der Geschäftsführer von Saar-Mobil, Arne Bach, sagt: "Bei uns werden die Verstärkerfahrten sehr gut genutzt." Das Unternehmen habe auch immer wieder Anpassungen vorgenommen. "Wenn ein Bus nicht genutzt wurde, haben wir ihn abgezogen und ihn stattdessen an anderer Stelle eingesetzt, wo es Rückmeldungen über zu volle Busse gab." Wenn Busse woanders nicht genutzt würden, liege das vermutlich daran, dass die Fahrgäste das Angebot nicht fänden.

Virologe: Eltern sollten Kinder briefen

Der Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Uni-Klinik Homburg appellierte im Gespräch mit dem SR an die Eigenverantwortung der Eltern und Kinder. "Wo es solche Zusatzbusse gibt, sollten sie genutzt werden. Es ist an jedem einzelnen, sein Kind entsprechend zu briefen."

Zwar könne man bis jetzt nicht rauslesen, dass Busse und Züge die Treiber der Infektionsdynamik seien. Dennoch: "Je leerer die Busse sind, umso besser wäre es", so Rissland. "Es gilt weiter die Grundregel: Je mehr Menschen auf engerem Raum umso länger zusammen sind, desto höher ist die Infektionsgefahr."

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