Zuhörer sitzen mit Mindestabstand zueinander und applaudieren. (Foto: dpa/KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Großveranstaltungen erlaubt, aber kaum umsetzbar

Anne Staut mit Informationen von Steffani Balle   28.07.2020 | 13:08 Uhr

Seit Montag erlaubt das Saarland wieder Veranstaltungen mit bis zu 350 Personen in geschlossenen Räumen. Unter freiem Himmel dürfen sogar 700 Personen zusammenkommen. Für die Veranstaltungsbranche im Saarland ist es wegen der geltenden Coronaauflagen trotzdem kaum möglich, Veranstaltungen in dieser Größenordnung anzubieten.

Monatelang lag das Veranstaltungsleben im Saarland wegen der Coronapandemie auf Eis. Vor-Ort-Veranstaltungen mit Besuchern waren nicht möglich. Inzwischen wurden die Coronaregeln mehrfach gelockert. Seit Montag sind wieder größere Veranstaltungen mit bis zu 350 Personen in geschlossenen Räumen und 700 Personen unter freiem Himmel rechtlich möglich.

"Die Hygieneauflagen brechen uns den Hals"

In der Realität sind Veranstaltungen in dieser Größenordnung jedoch kaum umsetzbar, erzählt Veranstalter Gunni Mahling. Er organisiert "Konzerte von klein bis groß" mit mehreren Bands. Sein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Gunni Mahling Showensemble, mit dem er unter anderem Musicalshows auf die Bühne bringt.

"Die Hygieneauflagen brechen uns den Hals", so Mahling. Aufgrund der Abstandsregeln fallen die üblichen Veranstaltungsorte oft raus. Eine Halle in Großrosseln, in der er sonst Veranstaltungen anböte, sei zwar auf 350 Besucher ausgerichtet. Wegen der Abstandsregeln könnten dort jedoch derzeit nur 73 Personen zu einer Veranstaltung kommen.

Veranstaltungen nicht finanzierbar

Das reicht aber nicht, um die Kosten für die Veranstaltung zu decken – zumindest nicht mit den üblichen Eintrittspreisen von 20 Euro pro Eintrittskarte. Die Preise zu erhöhen, sei jedoch auch keine Lösung. "Wenn wir die Eintrittspreise entsprechend anpassen, bleiben die Besucher weg", befürchtet Mahling.

Auch auf eine größere Halle auszuweichen, würde das Problem nicht lösen. Zum einen gibt es im Saarland kaum Hallen, die auf diese Größenordnung ausgerichtet sind. Zum anderen seien die Kosten für die Miete dieser Hallen nicht zu stemmen. "Die Saarlandhalle könnte groß genug sein, aber die Mietkosten sind so hoch, dass das nicht wirtschaftlich umsetzbar ist", so Mahling.

Platzproblem auch auf der Bühne

Ähnliche Erfahrungen hat auch die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) gemacht. Für das Orchester haben sich die Möglichkeiten reduziert, vor großem Publikum aufzutreten. Viele Hallen böten nicht genug Platz, dass sich eine Veranstaltung wirklich lohne. Die Deutsche Radio Philharmonie weicht deshalb für ihre Konzerte auf die Congresshalle aus.

Aber auch dort gibt es Einschränkungen: Aufgrund der Abstandsregeln reicht der Platz auf der Bühne nicht für das ganze Orchester aus. Die DRP spielt deshalb nur in halber Besetzung.

Auch unter freiem Himmel nicht umsetzbar

Nicht nur in geschlossenen Räumen, auch unter freiem Himmel sind die erlaubten Großveranstaltungen unter den geltenden Auflagen kaum umsetzbar, erzählt Thorsten Bruch. Mit TOB Events organisiert er große Freiluftveranstaltungen wie zum Beispiel Stadtfeste oder auch das Weihnachtsdorf in Homburg.

 "Für 700 Personen bräuchte man eine Fläche von 3500 Quadratmetern. Das ist mehr als ein halbes Fußballfeld. Flächen in dieser Größenordnung sind rar gesät im Saarland", erläutert Bruch die Dimension. Theoretisch sei es zwar möglich die Veranstaltung auf eine grüne Wiese zu verlegen, dort fehle es jedoch an der nötigen Infrastruktur wie etwa Wasser- und Stromanschlüssen. Dadurch entstünden höhere Kosten.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wer derzeit neue Veranstaltungsideen ausprobiere, gehe ein hohes Risiko ein. "In unserer Situation kann sich keiner einen Fehlgriff leisten, weil die finanzielle Situation sowieso schon angespannt ist", so Bruch.

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Über dieses Thema haben auch die "Bunten Funkminuten" am 28.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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