Zwei Personen stoßen in einer Kneipe mit Bier in der Flasche an.  (Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Brauwirtschaft leidet unter Corona

Peter Sauer / Onlinefassung: Axel Wagner   07.04.2020 | 16:55 Uhr

In ganz Deutschland leidet die Brauwirtschaft derzeit massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie. Gegenüber dem SR sprach der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes (DBB), Holger Eichele, von einer dramatischen Situation. Auch die Karlsberg-Brauerei in Homburg verzeichnet deutliche Einbußen.

Bei Karlsberg fehlten seit Beginn der Corona-Pandemie rund 20 Prozent des Umsatzes, sagte Geschäftsführer Markus Meyer dem SR. Denn rund ein Fünftel des Geschäfts macht die Homburger Brauerei mit Gastronomiekunden, die jetzt aber nahezu alle geschlossen haben. Der Fassbierumsatz sei dadurch praktisch auf Null gesunken.

160 Beschäftigte in Kurzarbeit

Die Folge: 160 der 500 Beschäftigten am Standort Homburg sind in Kurzarbeit. Betroffen sind vor allem der Vertrieb und die Lkw-Flotte. Als Reaktion auf die veränderte Marktlage hat Karlsberg einen Online-Bestellshop gestartet. Dort können Privatkunden nach den Worten von Geschäftsführer Meyer unbürokratisch und kontaktlos Getränke nach Hause bestellen. Ein Kundenkonto werde nicht benötigt. Bei der Lieferung kann außerdem Leergut zurückgegeben werden.

Bezahlt wird per Kreditkarte oder Paypal. Seit vergangenem Freitag laufe die Testphase in Homburg, Bexbach und Kirkel, so Meyer. Die Kundenresonanz sei groß. Deshalb will Karlsberg das Liefergebiet in den kommenden Wochen ausweiten und so Schritt für Schritt auch die Lkw-Fahrer wieder aus der Kurzarbeit holen.

Viele Brauereien vor dem Aus

In Deutschland stehen wegen der Corona-Krise offenbar zahlreiche Brauereien vor dem Aus. DBB-Hauptgeschäftsführer Eichele betonte, die Situation sei dramatisch. Ohne rasche finanzielle Hilfe würden viele Brauereien aufgeben müssen, vor allem kleinere Unternehmen seien betroffen.

Hauptgrund für die Probleme seien die Schließungen von Restaurants und das Absagen von Veranstaltungen. Einige Brauereien, so Eichele, erzielten 90 Prozent ihres Umsatzes über diese Vertriebswege. Nach einer Umfrage des Brauer-Bundes rechnen 87 Prozent der Betriebe damit, dass sie ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. 18 Prozent gehen sogar von Entlassungen aus. 

Stundung der Biersteuer

Einzelne Bundesländer haben laut Eichele eine Stundung der Biersteuer in Aussicht gestellt. Der DBB fordert hier eine bundeseinheitliche Lösung. Außerdem könne die Stundung der Biersteuer nur ein erster Schritt sein. Auch Zuschüsse oder Staatshilfen seien zur Stützung der Brauerein notwendig.

Rücklauf beim Leergut stockt

Auch in der Produktion selbst gibt es offenbar zunehmend Probleme. So seien Verpackungsmaterial, Verschlüsse und Glas immer schwerer zu bekommen. Noch dazu stocke der Rücklauf beim Leergut. Laut Umfrage des Brauer-Bundes rechnet fast jede zweite Brauerei mit Engpässen beim Rückfluss der Pfandflaschen in den kommenden Wochen. Grund sei, dass viele Konsumenten derzeit viele Kästen und Flaschen zu Hause horten.

Aktuell gibt es in Deutschland rund 1.500 Brauereien. Der DBB befürchtet, dass die Vielfalt des Angebots im Zuge der Corona-Krise verloren gehen könnte.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 07.04.2020 berichtet.

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