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Immer mehr Pfarrstellen unbesetzt

Kai Forst   30.12.2018 | 09:22 Uhr

Die Kirchen haben zunehmend Probleme, vakante Pfarrstellen zu besetzen. Nach Angaben des Bistums Trier ist die Zahl der freien Priesterposten allein in den vergangenen vier Jahren um 70 Prozent gestiegen. In der evangelischen Kirche im Saarland sind derzeit sieben Stellen frei. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Jahr für Jahr bleiben immer mehr Pfarrstellen unbesetzt. Im Bistum Trier sind es derzeit 22 und damit neun mehr als noch 2014. Und die Kirche weiß, dass sich das Problem weiter verschärfen wird. „Für die nächste Dekade gehen wir von einem altersbedingten Ausscheiden von rund 100 Priestern aus dem aktiven Dienst aus“, sagte Bistumssprecher Markus Nickolay. Allein in den vergangenen beiden Jahren ist die Zahl der aktiven Priester nach Angaben des Bistums um rund 50 zurückgegangen. Im Vergleich zum Jahr 2000, als es noch 588 Bistumspfarrer gab, hat sich die Zahl halbiert. Ende 2017 waren es noch 293.

Kaum noch Priesterweihen

Gleichzeitig wollen immer weniger junge Männer den Beruf des Priesters ergreifen. Im Saarland gibt es laut Nickolay derzeit lediglich zwei bis drei Priesterweihen jährlich. Insgesamt wurden in Deutschland 2017 nur noch 76 Priester geweiht. 2000 waren es noch doppelt so viele. Als die Deutsche Bischofskonferenz diese Zahl 1962 erstmals bundesweit erhob, wurden nach Angaben der katholischen Kirche in Deutschland sogar noch 557 Priester geweiht.

Nicolay sieht den Priestermangel als Teil einer gesamtgesellschaftlichen und gesamtkirchlichen Entwicklung, die „man einerseits unter dem Stichwort demografischer Wandel und dem daraus folgenden Fachkräftemangel in allen Bereichen der Gesellschaft“ kenne. Auch die zunehmende Säkularisierung spiele eine bedeutende Rolle. Denn neben der Priesterzahl gehe auch die Zahl der Katholiken insgesamt zurück. Und dadurch, so glaubt Nickolay, werde auch das Reservoir an potenziellen Kandidaten immer kleiner. „Die Zahl der Menschen, die sonntags einen Gottesdienst besuchen, hat sich im Bistum Trier in den letzten 20 Jahren mehr als halbiert. Gleiches gilt für die kirchlichen Trauungen und viele andere messbare Daten kirchlichen Lebens.“

Schlechtes Image durch Missbrauchsskandal

Doch auch das Image der Seelsorgerberufe habe in der Vergangenheit stark gelitten. „Hier haben wir, gerade in den letzten Jahren, ein massives Problem, das zum größeren Teil selbstverschuldet ist.“ Damit deutet Nickolay den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche an.

442 Missbrauchsfälle im Bistum Trier zwischen 1946 und 2014
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger / Oliver Buchholz, 25.09.2018, Länge: 04:32 Min.]
442 Missbrauchsfälle im Bistum Trier zwischen 1946 und 2014

Zuletzt hatte eine von der Kirche in Auftrag gegebene Studie erschreckende Zahlen veröffentlicht. So wurden im Bistum Trier zwischen 1946 und 2014 148 Kleriker beschuldigt, sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen begangen zu haben. Insgesamt sind in Deutschland mindestens 3677 Kinder und Jugendliche in dieser Zeit von 1670 katholischen Geistlichen missbraucht worden. Die Dunkelziffer, so die Macher der Studie, sei dabei wohl wesentlich höher.

Doch nicht nur die katholische Kirche hat mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. In der evangelischen Kirche im Saarland sind derzeit sieben von 91 Pfarrstellen vakant. Und auch hier wird sich der Abwärtstrend weiter verschärfen. Nach einer Hochrechnung geht die evangelische Kirche im Rheinland davon aus, dass sich die Zahl der Pfarrstellen bis zum Jahr 2030 in etwa halbieren wird – von aktuell 1900 auf rund 1000. Ähnlich wie die katholische macht auch die evangelische Kirche den demografischen Wandel und den damit zusammenhängenden Rückgang der Mitglieder für diese Entwicklung verantwortlich.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 30.12.2018 berichtet.

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