Eine Person hält ein Holzkreuz in der Hand. (Foto: dpa/Matthias Schrader)

Verurteilte Priester wurden in Krankenhausseelsorge eingesetzt

  24.08.2022 | 15:58 Uhr

Das Bistum Trier hat mehrere Priester, die bereits wegen Sexualstraftaten verurteilt worden waren, bis vor wenigen Jahren in der Krankenhausseelsorge eingesetzt. Das Bistum bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Zeitungsbericht. Auch saarländische Priester waren darunter.

Bis vor wenigen Jahren wurden mehrere wegen Sexualstraftaten verurteilte Priester in der Krankenhausseelsorge des Bistums Trier eingesetzt. Eine Sprecherin des Bistums bestätigte am Mittwoch entsprechende Recherchen der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" vom Donnerstag.

Demnach hat es sich in einigen Fällen um Kliniken mit Kinderstation gehandelt, wobei die Verantwortlichen nicht immer über die Vergangenheit der Geistlichen informiert worden seien. Durch Recherchen belegt sind laut der Zeitung vier Fälle, in denen Priester in Krankenhäusern arbeiten durften, obwohl sie wegen sexuellen Missbrauchs oder des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden waren.

Zwei Priester aus dem Saarland darunter

In zwei der vier Fälle handelt es sich dem Zeitungsbericht zufolge um Priester aus dem Saarland, bei denen Ermittler 2007 in einer Razzia jeweils mehr als 100 kinderpornografische Bilddateien sichergestellt hätten. Wenige Monate nach ihrer Verurteilung wegen des Besitzes von Kinderpornografie 2008 und 2009 soll das Bistum sie den Angaben zufolge in Kliniken eingesetzt haben.

Einer der beiden habe seine Position 2012 verloren, nachdem das Krankenhaus von seiner Verurteilung erfahren habe. Der zweite Priester sei nach zehn Jahren als Klinikseelsorger erst 2021 in den Ruhestand geschickt worden.

15 Jahre in Klinik tätig

Ein weiterer Priester, der Mitte der 1990er Jahre zu einer Bewährungsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war, sei ebenfalls 15 Jahre lang in Kliniken eingesetzt worden. Ein vierter im Jahr 1994 wegen Missbrauchs von Kindern verurteilter Priester arbeitete demnach als Hausgeistlicher in Krankenhäusern. 2012 habe er sich selbst angezeigt.

Einsätze offenbar nur nach Gutachten

Bistumssprecherin Judith Rupp sagte, dass die Priester "nur nach der Einholung eines forensischen Gutachtens mit einer entsprechenden Unbedenklichkeitserklärung oder Empfehlung" in der Krankenhausseelsorge eingesetzt worden seien. Zudem habe es "gegebenenfalls Auflagen gegeben, über die das Umfeld informiert war und deren Einhaltung im Rahmen der Möglichkeiten kontrolliert wurden".

Sie erklärte aber auch, dass es "in wenigen Fällen keine oder späte Informationen an das Umfeld" gegeben habe. Diese Fehler habe das Bistum eingeräumt.

"Heute nicht mehr möglich"

Nach Angaben des Bistums ist ein solcher Einsatz von Priestern in der Krankenhausseelsorge heute nicht mehr möglich. Hierzu habe sich die Einschätzung der Verantwortlichen verändert. Insofern seien im Bistum Trier aktuell auch keine Priester oder Diakone unter Auflage in der Krankenhausseelsorge tätig.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 24.08.2022 berichtet.

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