Der Hauptangeklagte (r) spricht mit seinem Anwalt im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern. (Archivbild) (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Angeklagter spricht über Jagdleidenschaft

mit Informationen von Barbara Spitzer   04.07.2022 | 21:00 Uhr

Am fünften Prozesstag in Kaiserslautern hat sich der Familienvater aus Spiesen, der sich wegen Mordes an zwei Polizisten verantworten muss, selbst als "Paradiesvogel" dargestellt. Zudem sprach er ausführlich über seine Jagdleidenschaft, die er schon als Kind begonnen hatte.

Bodenlanger Lodenmantel und Pelzkappe - das waren seine Markenzeichen. In Jägerkreisen soll Andreas S. durch sein Outfit bekannt gewesen sein wie ein bunter Hund. Ein Paradiesvogel, aber kein Einzelgänger, sei er nach eigener Aussage gewesen. Immer wieder lässt der 39-jährige Andreas S. am fünften Prozesstag vor Gericht außerdem einfließen, dass er sich selbst als "Alphatier" gesehen habe.

Video [aktueller bericht am Sonntag, 03.07.2022, Länge: 2:13 Min.]
Angeklagter sagt im Polizistenmord-Prozess aus

Mit zwölf Jahren sei er Mitglied im Schützenverein Freischütz 09 in Sulzbach geworden, kurz vor dem Tod seines Vaters. Zuvor habe er bereits "auf alles geschossen was rumläuft". Zudem bezeichnet sich der Angeklagte selbst als Alkoholiker, der mit 13 angefangen habe zu trinken.

Britz: "Man vermisst die Empathie"

Seine frühe Jagdleidenschaft ist für den Anwalt der Nebenklage zumindest eine Erklärung für das mutmaßliche Verhalten von Andreas S. in der Tatnacht und vor Gericht.

"Es führte aus meiner Sicht zu einer gewissen Verrohung oder Empathielosigkeit, die man hier auch sieht. Er schildert das Geschehen laborartig, man vermisst die Empathie. Und in der Situation in der Nacht, da ist er sehr berechnend", so Anwalt Guido Britz.

Jagd als letzte Einnahmequelle

Die Jagd war wohl auch Treibstoff für das Ego des 39-Jährigen. Seine Bäckereikette hatte er 2020 an die Wand gefahren, dabei 2,4 Millionen Euro Schulden angehäuft. Dennoch sei die Jagdwilderei samt Verkauf des Wildes nur ein Hobby gewesen, beteuert S. vor Gericht.

Dem widerspricht der Anwalt Guido Britz: "Andere Einkommensquellen waren nicht mehr vorhanden, auch der Lebensstil war auf der Kippe. Er hat Arbeitslosengeld bezogen und andere Sozialleistungen. Aber das war nicht sein Ziel, und der Wildhandel hat ihn neu belebt."

Mord aus Habgier als ein Motiv?

Dieses prekäre Lebensmodell des vierfachen Familienvaters aus Spiesen drohte in der Tatnacht durch die Polizeikontrolle zusammenzubrechen. Deshalb wirft die Anklage Andreas S. unter anderem Mord aus Habgier vor. Der 39-Jährige sagt, er habe auf den Polizisten Alex K. in Notwehr geschossen.

Die Polizeianwärterin Yasmin B. sei von seinem Mitangeklagten Florian V. getötet worden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern habe der jedoch nicht geschossen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Über dieses Thema berichtet auch der aktuelle bericht am 04.07.2022.

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