Eine Ermittlerin der Polizei sitzt vor Monitoren mit unkenntlich gemachten Fotografien, die teilweise sexuellen Missbrauch zeigen. (Foto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd)

Immer mehr Hinweise auf Kinderpornografie

  25.03.2022 | 11:14 Uhr

Mehr als 800 Verfahren wegen Kinderpornografie sind 2021 bei Ermittlungsgruppe „EG Halde“ der saarländischen Polizei bearbeitet worden. Für dieses Jahr rechnet die Polizei mit einer weiteren starken Zunahme von Hinweisen.

Schon bei der Vorstellung der Kriminalstatistik am Mittwoch hatte die Polizei mitgeteilt, dass die Zahl der bekannt gewordenen Fälle von Kinderpornografie im Saarland stark gestiegen ist. Nun hat die Polizei detaillierte Angaben dazu gemacht.

Mehr als 800 Verfahren

Insgesamt mehr als 800 Verfahren hat die Anfang 2021 speziell für Fälle von Kinderpornografie eingerichtete Ermittlungsgruppe „EG Halde“ im vergangenen Jahr bearbeitet. Daraus resultierend: fast 300 Durchsuchungen, bei denen Datenträger sichergestellt wurden, und mehr als 200 Gutachten zu deren Auswertung.

25 Kinder konnten die saarländischen Ermittler 2021 auf den Fotos und Videos identifizieren. Haftbefehle wegen Besitzes oder der Verbreitung von Kinderpornografie konnten durch die Ermittlungen im Saarland bislang nicht erwirkt werden.

Ein Verfahren aus Rheinland-Pfalz führte allerdings im November vergangenen Jahres zu einer Festnahme in Homburg. Ermittler der Polizei konnten in einem über Whatsapp verschickten Video ein Ehepaar und sein Opfer, den zum Tatzeitpunkt fünfjährigen Sohn, identifizieren.

Hinweise aus den USA

Ein Großteil der Hinweise, die die Ermittlungsgruppe „EG Halde“ erreichen, sind Berichte aus den USA, sogenannte CyberTipline Reports. Der Grund: US-Internetprovider sind gesetzlich verpflichtet, bekannt gewordene Fälle von Kinderpornografie an das National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC, deutsch: Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder) zu melden.

Eine spezielle Suchmaschine filtert einschlägige Fotos aus dem Netz. Außerdem nimmt das NCMEC, eine halbstaatliche Non-Profit-Organisation, auch Hinweise von Privatpersonen entgegen.

2022 schon 65 Durchsuchungen

Die NCMEC-Berichte werden dann für weitere Ermittlungen an zuständige Behörden in den USA und auch im Ausland weitergeleitet – bei Fällen mit Deutschland-Bezug ans Bundeskriminalamt (BKA). Im vergangenen Jahr sind dort 462 NCMEC-Fälle mit Saarland-Bezug aufgelaufen.

Für 2022 sind bereits zum Stichtag 23. März rund 100 NCMC-Verfahren eingegangen, dazu kommen 200 weitere Fälle von Kinderpornografie. 65 Hausdurchsuchungen wurden bereits durchgeführt, 80 IT-forensische Gutachten in Auftrag gegeben. Vier Opfer konnten die Saar-Ermittler bereits identifizieren.

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