Gedenktafel Samuel Yeboah (Foto: SR)

Polizei räumt Fehler im Fall Yeboah ein

Thomas Gerber / Onlinefassung: Anne Staut   04.04.2022 | 11:03 Uhr

Nach der Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall des vor gut 30 Jahren ermordeten ghanaischen Flüchtlings Samuel Yeboah hat die saarländische Polizei Fehler eingeräumt. Offensichtlich hätten Defizite in der Polizeiarbeit damals dazu geführt, dass die Ermittlungen wenige Monate nach dem tödlichen Brandanschlag auf das Asylbewerberheim eingestellt worden seien.

Nach der Verhaftung des mutmaßlichen Täters im Fall Yeboah hat Landespolizeipräsident Norbert Rupp sich für die Fehlleistungen der Polizei vor rund 30 Jahren entschuldigt. Was genau Anfang der Neunziger Jahre schiefgelaufen sei, könne er allerdings noch nicht sagen.

"Man hatte ihn damals auf dem Schirm, konnte ihn aber nicht dingfest machen"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Thomas Gerber, 04.04.2022, Länge: 03:50 Min.]
"Man hatte ihn damals auf dem Schirm, konnte ihn aber nicht dingfest machen"

Es sei aber ganz offensichtlich nicht akribisch genug gearbeitet worden. Der Mordfall Yeboah war 1991 noch von der örtlichen, der Saarlouiser Kripo bearbeitet worden, heute würden solche Fälle zentral bearbeitet und es gelte das Vier-Augen-Prinzip.

Brandanschlag auf Asylbewerberheim
Mutmaßlicher Täter im Fall Yeboah verhaftet

Fehleranalyse geht weiter

Zur Aufarbeitung der Fehler hatte das Polizeipräsidium bereits 2020 eine eigene Ermittlungsgruppe, die Arbeitsgruppe "Causa" eingesetzt. Sie soll die Fehleranalyse nun weiter treiben.

Unter anderem konnten Beamte, die damals am Ermittlungsverfahren beteiligt waren, bislang noch nicht befragt werden, da die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft noch weiterlaufen.

Landespolizeipräsident: "Das Arbeiten von damals wäre heute so nicht mehr denkbar"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen, 04.04.2022, Länge: 04:28 Min.]
Landespolizeipräsident: "Das Arbeiten von damals wäre heute so nicht mehr denkbar"

Ermittlungen 2020 wieder aufgenommen

Der von der Bundesanwaltschaft inhaftierte Peter S. war nach SR-Informationen schon in den Neunziger Jahren ins Visier der Fahnder geraten, die Ermittlungen waren aber eingestellt worden. Auf einer Party soll er gegenüber einer Frau mit der Tat geprahlt haben – daraufhin wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen.

Peter S. war in den Neunzigern in der Saarlouiser Neonazi-Szene eine bekannte Größe. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass er den verheerenden Brand aus rassistischen Motiven gelegt hatte.


Kommentar

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Mord an Samuel Yeboah – Jahrzehnte des Schweigens
Mehr als 30 Jahre nach der Tat scheint der heimtückische und rassistische Mord an Samuel Yeboah aufgeklärt. Vorausgegangen waren Jahrzehnte des Schweigens und Verharmlosens im Saarland. Ein Kommentar.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 04.04.2022 berichtet.

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