Ein Mann schaut an der Gardine vorbei aus dem Fenster auf die Straße (Foto: dpa/Patrick Pleul)

Verdächtiges Verhalten? Polizei rufen statt posten

  16.06.2019 | 08:30 Uhr

Soziale Medien fungieren zunehmend auch als Warnsysteme für die Nachbarschaft. Doch Hinweise auf mögliche Straftaten kommen dadurch nicht immer an den richtigen Stellen an. Wie soll man sich verhalten, wenn man etwas Verdächtiges beobachtet?

„Zwei Personen laufen rum und schauen an jede Klingel.“ Auf Facebook, Whatsapp und Co. finden sich immer häufiger solche Posts, die verdächtige Vorkommnisse in der Nachbarschaft melden. Der Polizei können sie das Leben schwer machen. Denn sollte es sich um Kriminelle handeln, kann wertvolle Zeit verloren gehen, wenn Bürger Hinweise irgendwo im Internet veröffentlichen, statt sich bei ihnen zu melden, so die Behörden.

Polizei dankbar für Hinweise

"Die Hinweise im Internet kommen nicht zwangsläufig da an, wo man etwas mit ihnen anfangen kann"
Audio [SR 1, Daniel Simarro / Christian Leistenschneider, 17.06.2019, Länge: 01:56 Min.]
"Die Hinweise im Internet kommen nicht zwangsläufig da an, wo man etwas mit ihnen anfangen kann"

Doch sollte man die Polizei verständigen, nur weil einem etwas verdächtig vorkommt? Was, wenn die Männer nur harmlose Kartoffelverkäufer sind? Muss der Anrufer am Ende für mögliche Einsatzkosten aufkommen? Oder kann er gar wegen Verleumdung belangt werden?

Für die Polizei ist die Antwort klar: Auch wenn die Situation nicht ganz eindeutig ist - man sollte sich auf jeden Fall bei ihr melden. Die Ermittler sind dankbar für Hinweise, die ihnen helfen, Straftaten zu verhindern oder bereits verübte Taten aufzuklären. Dazu sollten potentielle Zeugen am besten bei der örtlich zuständigen Dienststelle anrufen, sagt Landespolizeisprecher Georg Himbert. Wenn deren Nummer in der Aufregung gerade nicht zur Hand ist, es aber schnell gehen muss, könne es auch der Notruf 110 sein.

Keine Probleme bei „Fehlalarm“

Und Himbert beruhigt: Probleme bekommt der Anrufer nicht, selbst wenn es sich um „Fehlalarm“ handelt. „Im Endeffekt entscheidet die Polizei selbst, ob und wie sie reagiert - ob sie zum Beispiel einen Streifenwagen vorbeischickt.“ Auch umgekehrt drohen keine Konsequenzen: Eine rechtliche Verpflichtung, aufgrund von Beobachtungen einzuschreiten, gebe es nur, wenn zum Beispiel Personen nach Unglücksfällen in Gefahr oder in Not sind.

Die Polizei selbst ist auch über Facebook und Twitter erreichbar. Diese Kommunikationskanäle sind aber grundsätzlich nicht für Hinweise oder Anzeigen vorgesehen. Die dort einlaufenden Informationen werden zwar gesichtet, eine lückenlose Überwachung der Inhalte kann aber nicht gewährleistet werden, sagt Georg Himbert. Deswegen könne entscheidende Zeit verloren gehen. Der schnellste und sicherste Weg sei immer der Griff zum Hörer.

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