Schüler der Albertus-Magnus-Realschule St. Ingbert (v.l. Leon Stopkin, Jonas Euschen, Annalena Fey) sammeln Plastik und anderen Müll ein. (Foto: SR)

"Plastikpiraten" sammeln Müll und Daten

Christian Leistenschneider   30.06.2019 | 16:35 Uhr

Mit ihrem freitäglichen "Schulstreik fürs Klima" sorgen Jugendliche für Furore – und hitzige Diskussionen über Schulpflicht. Dass Unterricht und Umweltschutz kein Gegensatz sein müssen, beweist ein Projekt an einer St. Ingberter Schule.

Wie langsam sich Kunststoff zersetzt, weiß Lisa Dressel ganz genau. Und was das für die Natur bedeutet auch. Für die junge Chemielehrerin ein ideales Thema, um ihren Schülern den Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Arbeit und Engagement für den Umweltschutz nahezubringen.

Also hat sie an der Albertus-Magnus-Realschule in St. Ingbert ein Projekt gestartet, das sich mit den Auswirkungen des Plastikkonsums auf die Umwelt befasst. Mit einem klaren pädagogischen Ziel: "Ich wollte die Kinder dafür sensibilisieren, welche Probleme Plastik der Natur bereitet. Und sie dazu bringen zu überlegen, wie sie es vermeiden können." Nebenbei leisten sie und ihre Schüler damit auch einen Beitrag zur Forschung.

Schüler leisten Beitrag zur Forschung

Zunächst einmal musste Dressel jedoch Aufklärungsarbeit leisten. Denn das Vorwissen der zwischen 13 und 15 Jahre alten Schüler hielt sich in Grenzen. Also zeigte sie Filme und Fotos, besprach Zeitungsartikel. Besonders beeindruckte die Kinder, welche Auswirkungen der menschliche Plastikverbrauch auf Tiere hat, die weit entfernt im Meer leben: Delfine, die verenden, weil ihr Magen voller Plastikabfälle steckt, Schildkröten, in deren Nasenlöcher sich Kunststoffhalme bohren.

Nachdem sie das erfahren hatten, verließen auch Dressels Schüler den Klassenraum – aber nicht um zu demonstrieren, sondern um anzupacken. In der letzten Schulwoche vor den Sommerferien brachen sie in die nahegelegene Gustav-Clauss-Anlage auf, um den dort fließenden Rohrbach auf Plastikmüll zu untersuchen.

Die Aktion ist Teil des bundesweiten Projekts "Plastikpiraten". Dabei sammeln und dokumentieren Jugendliche Plastikmüll an Flussufern. Die Daten, die sie erheben, werden anschließend von Wissenschaftlern der Kieler Forschungswerkstatt ausgewertet. Ziel ist es, eine umfassende Übersicht zu bekommen, wie stark deutsche Fließgewässer mit Plastikmüll belastet sind.

Viel Plastik am Flussufer

Entsprechend wissenschaftlich ist das Vorgehen der Schüler, darauf hat auch Dressel ein strenges Auge. Die Jugendlichen teilen sich in Gruppen, die nach einem genau festgelegten Verfahren Stichproben machen. Im Fluss fischen sie nach Mikroplastik, am Flussufer und im Umfeld des Flusses suchen sie nach achtlos weggeworfenem Müll.

Was sie dabei so alles finden – Einweggeschirr, Tuben und zahlreiche Plastikverpackungen –, erstaunt die jungen Menschen. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel ist", sagt Patrik Kohler. Seine Mitschülerin Emma Leroux ergänzt: "Wenn man einfach nur auf den Boden guckt, sieht man das im ersten Augenblick gar nicht." Für Lehrerin Dressel ist das Ausmaß hingegen keine Überraschung: "Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Außerdem wurde hier vor kurzem sauber gemacht. Oft ist es noch viel mehr."

Kinder überdenken Konsum

Gegen Ende ihrer Exkursion tragen die Schüler die Ergebnisse ihrer Untersuchung sorgfältig in die bereitgestellten Hefte. Später werden sie sie den Kieler Wissenschaftlern zur Verfügung stellen. Vielleicht tragen sie ja dazu bei, das Problem Plastikmüll in die Öffentlichkeit zu tragen.

Mit ihrem Ziel, das Bewusstsein der Kinder zu ändern, hatte Dressel schon Erfolg. "Seit dem Projekt kaufen wir im Supermarkt keine Plastiktüten mehr, sondern welche aus Pappe – auch wenn die etwas teurer sind. Außerdem verwenden wir häufiger Stofftaschen", sagt Emma Leroux.

Artikel mit anderen teilen