Plastik-Müll am Rheinufer (Foto: picture alliance/JOKER)

Plastikmüll: Von der Saar ins Meer

Sandra Schick   01.05.2019 | 08:11 Uhr

Plastik in den Weltmeeren ist ein ernstzunehmendes Problem geworden. Doch woher kommt der viele Müll? Wissenschaftler sagen: Ein großer Teil schwimmt über Flüsse vom Festland zum Meer. Eine weggeworfene Plastiktüte am Saarufer wird also über kurz oder lang in der Nordsee landen. Wie belastet unsere Flüsse tatsächlich sind, wollen verschiedene Forschungsprojekte herausfinden.

Forscher weltweit schätzen, dass zwischen einer halben Million bis zu acht Millionen Tonnen Plastik pro Jahr aus Flüssen vom Festland ins Meer geschwemmt werden. Die genaue Menge kennt niemand genau. Sicher ist: Vor allem große Flüsse in bevölkerungsreichen Gebieten Südostasiens tragen einen großen Teil zum weltweiten Plastikproblem bei.

Panorama
"Wir wissen nicht, wie das Plastik in Flüsse kommt"
Eine achtlos weggeworfene Plastiktüte am Staden, ein aus dem Autofenster geworfener Becher - Plastikmüll in der Umwelt ist ein Problem. Warum unser Verhalten hier im Saarland aber auch direkte Auswirkungen auf die Plastikbelastung der Weltmeere hat, erklärt Meeresbiologe Prof. Uwe Waller von der Hochschule für Technik und Wirtschaft im Interview.

Aber auch deutsche Flüsse sind mit Plastik belastet, erklärt Prof. Uwe Waller, Meeresbiologe von der HTW Saar im Gespräch mit SR.de. In bestimmten Bereichen des Rheins wurden bereits über 20 Plastikteile pro Kubikmeter nachgewiesen. Auch die Saar ist belastet. Wie stark, weiß noch niemand genau. Aber auch das wollen Forscher nun herausfinden.

Denn, was den wenigsten Menschen bewusst ist: "Unsere Flüsse sind Teil eines Kreislaufs", sagt Uwe Waller. "Die Leute müssen kapieren, dass das, was sie hier wegwerfen, irgendwann im Ozean landet." Ob Plastikflasche oder winzig kleines Mikroplastik - was heute in der Saar schwimmt, nimmt seinen Weg unaufhaltsam Richtung Mosel, Rhein und von dort in die Nordsee.

Aktuelle Plastik-Projekte


Plastikpiraten sammeln Daten über Plastik an Flüssen

Am 1. Mai startet in Deutschland wieder die Citizen-Science-Aktion "Plastikpiraten". Die Idee dahinter: Jugendliche sammeln während eines festgelegten Zeitraums Plastikmüll an Flussufern. Alles, was sie sammeln, wird anschließend von Wissenschaftlern der Kieler Forschungswerkstatt ausgewertet. Ziel ist es, eine umfassende Übersicht zu bekommen, wie stark deutsche Fließgewässer mit Plastikmüll belastet sind. Die Jugendlichen leisten nach Angaben der Initiatoren "einen wichtigen Beitrag zur Forschung".

Die Aktion findet seit 2016 jedes Jahr statt. In diesem ist der Aktionszeitraum der 1. Mai bis 30. Juni. Aus dem Saarland sind in diesem Jahr sieben Schulen bei dem Projekt dabei, eine Grundschule und sechs weiterführende Schulen.

Forschung an Saar, Mosel und Rhein

SWR.de
Video über das Forschungsprojekt der BfG
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz (BfG) hat im Januar mit einem Forschungsprojekt über Mikroplastik in Rhein, Mosel, Saar, Elbe und Lahn begonnen. SWR Aktuell hat die Forscher dabei begleitet und ihre Arbeit dokumentiert.

Aber nicht jeder Plastikmüll treibt sichtbar auf der Wasseroberfläche oder liegt am Uferrand. Ein großer Teil des Plastiks zerbricht zu immer kleineren Teilchen, dem sogenannten Mikroplastik. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz hat im Januar mit einem Forschungsprojekt über Mikroplastik in Rhein, Mosel, Saar, Elbe und Lahn begonnen.

Drei Jahre lang nehmen die Forscher regelmäßig Proben um einen Eindruck davon zu bekommen, wieviel Mikroplastik in heimischen Flüssen und ihren Uferbereichen vorkommt. Neben dem Wasser untersuchen die Wissenschaftler auch das Fluss-Sediment und Wassertiere auf Mikroplastik.

HTW will Plastikquellen identifizieren

Auch Studierende der HTW in Saarbrücken haben im letzten Semester mit einem neuen Projekt begonnen, das sich mit Plastikmüll und dessen Vermeidung befasst. Sie wollen ein Wasserfahrzeug namens "Wasserläufer" entwickeln. Das soll Umweltproben entnehmen um die genauen Quellen für die Plastikverschmutzung zu identifizieren.

Gleichzeitig soll der Wasserläufer über ein System verfügen, das Plastikpartikel aus dem Wasser sammeln soll. Prof. Uwe Waller von der HTW Saar sagt: "Ich glaube, dass wir gar nicht wissen, wo genau Plastik in die Flüsse gelangt. Kennt man die Quellen, kann man Verschmutzung vermeiden."

Flusswal soll Flüsse von Plastik reinigen

Auch ein Start-Up-Unternehmen aus Straßburg will dem Plastik-Müll in Flüssen zu Leibe zu rücken. Die drei Gründer von "H2OPE" haben ein Gerät entwickelt, das Abfall aus Flüssen fischt. Der ‚Flusswal‘ hat zwei Arme, die ja nach Gewässergröße von zwei Metern Spannweite auf fünfeinhalb Meter auseinandergeklappt werden können. Darin verfängt sich Müll, der im Fluss treibt.

Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.04.2019, Länge: 04:34 Min.]
WimS: Elsässer bauen ‚Flusswal‘ (08.04.2019)
Drei Jungunternehmer aus Straßburg haben ein Gerät entwickelt, das ohne Strom und Motor Müll aus Flüssen fischt. Der ‚Flusswal‘ hat zwei Arme, die ja nach Gewässergröße von zwei Metern Spannweite auf fünfeinhalb Meter auseinandergeklappt werden können. Bis Ende März wurde der Prototyp im Hafen von Straßburg und auf der Ill außerhalb der Stadt getestet.

Von Januar bis Ende März gab es bereits eine erste Testphase in Straßburg. Der "Flusswal" wurde im Hafen von Straßburg und auf der Ill außerhalb der Stadt getestet. Die Forscher haben dabei nach eigenen Angaben deutlich mehr Müll "geerntet" als zu Beginn vermutet.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 02.05.2019 berichtet.

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