Ein Ventilator steht in einem Büro. (Foto: Wolfram Kastl/dpa)

Das gilt bei Hitze am Arbeitsplatz

Melina Miller   19.07.2022 | 15:09 Uhr

Nicht nur draußen steigen die Temperaturen aktuell ins Extreme: Auch am Arbeitsplatz kann es heiß werden. Für Arbeitgeber heißt das: Sie haben Fürsorgepflichten gegenüber ihren Mitarbeitenden und müssen dafür sorgen, dass die Arbeit weiterhin erträglich ist. Wir erklären, was im Saarland gilt.

Auch wenn es 40 Grad heiß ist: Pauschal gibt es kein Recht auf hitzefrei für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Allerdings ergeben sich zum Beispiel aus dem Arbeitsschutzgesetz und der Arbeitsstättenverordnung eine Reihe von Voraussetzungen, die am Arbeitsplatz erfüllt sein müssen.

Staffelung je nach Temperatur

Was das konkret bedeutet, erklärt der Saarbrücker Fachanwalt für Arbeitsrecht, Ben Zimmerling: Wenn eine Lufttemperatur von über 30 °C in Innenräumen herrscht, zum Beispiel im Büro, muss der Arbeitgeber wirksame Maßnahmen ergreifen. Welche, bleibt ihm zu einem gewissen Maß selbst überlassen – solange sie funktionieren.

Beispiele sind Rollläden oder Jalousien, die nach der Mittagszeit geschlossen bleiben müssen, Lüften in den frühen Morgenstunden, Gleitzeitregelungen, bereitgestellte Getränke oder eine gelockerte Kleiderordnung. Technische Maßnahmen wie Klimaanlagen haben dabei Vorrang vor personenbezogenen Maßnahmen, die z.B. die Kleidung betreffen.

Entwärmungsphasen in anderen Räumen

Ab einer Raumtemperatur von 35 °C gibt es nochmal strengere Regeln: Dann muss der Arbeitgeber sogenannte Entwärmungsphasen gewähren, in denen sich die Mitarbeitenden abkühlen können - zum Beispiel in einem gekühlten Raum. Wenn bei diesen Temperaturen aber keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen werden, kann der Arbeitnehmer die Arbeit unter Umständen verweigern.

"Bei den aktuellen Temperaturen dürfte im Wesentlichen bei Bürojobs die Bereitstellung von Ventilatoren ausreichend sein", erklärt Ben Zimmerling. Bei älteren und schwangeren Mitarbeitenden muss der Arbeitgeber besonders auf die gesundheitliche Situation eingehen und möglicherweise weitere Maßnahmen ergreifen.

Unterschiede je nach Branche

Nicht jeder oder jede arbeitet aber im Büro: Auch für andere Branchen gibt es Richtlinien. Als Beispiel nennt der Arbeitsrechtler die Gastronomie. Dort könne es bei den aktuellen Temperaturen verpflichtend sein, den Arbeitnehmern Getränke zur Verfügung zu stellen, da sie bei der Arbeit mehr schwitzten. Das gelte auch für andere körperlich schwere Tätigkeiten.

Im Einzelhandel dagegen seien viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktuell gar nicht so stark von der Hitze betroffen, da zum Beispiel Supermärkte meist eh schon klimatisiert seien.

Kein Hitzefrei für Berufe im Freien

Anders sieht das zum Beispiel für Gärtner, Landwirtinnen oder Bauarbeiter aus: Bei Berufen, die im Freien ausgeübt werden, kann die Hitzebelastung sehr groß sein. Der Arbeitgeber muss dann auch hier dafür sorgen, dass seine Mitarbeitenden nicht gefährdet werden - zum Beispiel durch eine zu hohe UV-Strahlung.

Stand jetzt heißt das laut Anwalt: Arbeitgeber müssen gegebenenfalls längere Pausen gewähren und Getränke zur Verfügung stellen. "Hitzefrei ist jedoch aktuell für Außenberufe nicht denkbar", betont Zimmerling.

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