Ein leeres Krankenbett steht auf dem Flur eines Krankenhauses. (Foto: dpa/Britta Pedersen)

Pfleger soll mehrere Patienten getötet haben

Thomas Gerber   30.08.2019 | 21:17 Uhr

Ein 27-Jahre alter Krankenpfleger steht im Verdacht, Patienten der SHG-Klinik Völklingen gezielt getötet zu haben. Zu den Taten soll es laut Staatsanwaltschaft zwischen März 2015 und März 2016 auf der Intensivstation der Klinik gekommen sein.

Die Staatsanwaltschaft, die entsprechende Informationen des SR bestätigte, geht derzeit von sieben Fällen aus - fünf Mal vollendeter, zwei Mal versuchter Mord. In diesen beiden Fällen konnten die Patienten noch gerettet werden. Der frühere Pfleger soll den Patienten auf der Intensivstation Medikamente verabreicht haben, die ärztlich nicht verordnet waren.

Verdacht des Mordes in der SHG-Klinik
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 30.08.2019, Länge: 05:00 Min.]
Verdacht des Mordes in der SHG-Klinik

Pfleger wegen Verdacht des Vertrauensbruchs gekündigt

Der Beschuldigte war nach Angaben der SHG von Januar 2015 bis Mai 2016 auf der Intensivstation der Völklinger Klinik beschäftigt. Man habe sich dann von ihm getrennt, weil es den „Verdacht des Vertrauensbruchs gegenüber dem Arbeitgeber“ gegeben habe.

Krankenpfleger unter Tötungsverdacht
Audio [SR 3, 30.08.2019, Länge: 01:02 Min.]
Krankenpfleger unter Tötungsverdacht

Die SHG erklärte auf SR-Anfrage, dass Kollegen über „Auffälligkeiten bei der Behandlung von Patienten“ berichtet hätten. Nach einer medizinischen Überprüfung hätten sich diese aber nicht bestätigt. Bei den Auffälligkeiten sei es unter anderem um das Verhalten gegenüber Patienten im Zusammenhang mit Reanimationen gegangen. Eine Häufung von Todesfällen sei nach Angaben der SHG nicht festgestellt worden.

Nicht verordnete Medikamente verabreicht?

Kollegengespräch: "Er soll ihnen Überdosen von Medikamenten verabreicht haben "
Audio [SR 3, 30.08.2019, Länge: 03:03 Min.]
Kollegengespräch: "Er soll ihnen Überdosen von Medikamenten verabreicht haben "

Wie erst jetzt bekannt wurde, waren bereits im Oktober vergangenen Jahres verstorbene Patienten exhumiert worden. Die Rechtsmedizin fand in den sterblichen Überresten Spuren von Medikamenten, die von den Ärzten nicht verordnet worden waren - unter anderem Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und ein hochwirksames Schlafmittel.

Als Motiv für die Taten vermutet die Staatsanwaltschaft, dass sich der mutmaßliche Täter offenbar als Retter habe aufspielen wollen. Er führte jeweils die Reanimationsmaßnahmen durch. Der Beschuldigte sitzt derzeit in anderer Sache in Strafhaft, verbüßt wegen Betruges eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Vergleichbare Fälle auch in Hessen denkbar

Die SHG hat angekündigt, selbst Akteneinsicht nehmen zu wollen. Bereits im Juni 2016 hatte die Kriminalpolizei sich mit den Kliniken in Verbindung gesetzt. Damals ging es um den Verdacht des Missbrauchs von Titeln. So soll der Beschuldigte sich als Arzt ausgegeben haben. Diese Strafbestände betrafen aber nicht das Völklinger Krankenhaus. Im Rahmen der Ermittlungen hat die SHG eine umfassende Zusammenarbeit zugesichert.

Der Beschuldigte selbst schweigt zu den jetzt erhobenen Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken schließt nicht aus, dass es weitere vergleichbare Fälle geben könnte. Der 27-Jährige hatte vor seiner Tätigkeit in Völklingen in Krankenhäusern in Frankfurt und Wiesbaden gearbeitet. Die dortigen Behörden seien eingeschaltet.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 30.08.2019 berichtet.

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