Symbolbild Pflege (Foto: dpa/Oliver Berg)

Pflegende Angehörige oft überfordert

Leonie Rottmann   18.03.2019 | 16:11 Uhr

Wer sich um seine pflegebedürftigen Angehörigen kümmert, muss aufpassen, dass er sich damit nicht überfordert. Denn pflegende Angehörige werden öfter körperlich und seelisch krank als Angehörige, die nicht zu Hause pflegen. Das geht aus dem Barmer-Pflegereport hervor.

Laut Report war 2017 mehr als jeder zweite pflegende Angehörige im Saarland wegen Rückenschmerzen bei seinem Arzt und etwa jeder vierte litt an Depressionen. Außerdem war jeder siebte betroffene Angehörige im Saarland im untersuchten Zeitraum von Belastungsstörungen wie Nervenzusammenbrüchen betroffen.

Die Zahlen in einer vergleichbaren Gruppe von nicht pflegenden und nicht pflegebedürftigen Menschen sind geringer – hier litt beispielsweise nur jeder Fünfte an Depressionen.

Für Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland, sind diese Zahlen nicht verwunderlich, denn Pflege bedeute harte Arbeit: "Laut Pflegereport bestimmt bei 85 Prozent der Betroffenen Pflege tagtäglich das Leben, die Hälfte davon kümmert sich sogar mehr als zwölf Stunden am Tag um die pflegebedürftige Person."

Bürokratie ist eine große Hürde

Fast 40 Prozent der Befragten leiden unter Schlafmangel, 30 Prozent fühlen sich in ihrer Rolle gefangen und jedem Fünften ist die Pflege zu anstrengend. Laut Report fühlen sich rund 2300 pflegende Angehörige so überlastet, dass sie kurz davor seien, die Pflege zu beenden.

Zusätzlich dazu sei die Bürokratie bei der Antragsstellung eine extreme Belastung. "Umso wichtiger ist es, pflegende Angehörige von unnötiger Bürokratie zu entlasten und ihnen alle Unterstützungsangebote bekannt zu machen", erklärt Dunja Kleis weiter. Erste Schritte seien schon gemacht, um die Abläufe für Betroffene zu vereinfachen.

So werde es zum Beispiel noch in diesem Jahr möglich werden, den Hauptantrag für Pflegeleistungen bei der Barma auf einfache Weise online zu stellen. Außerdem gebe es seit Anfang des Jahres neue Regelungen für Pflegebedürftige ab Pflegestufe drei: "Für diese Schwerkranken ist bei Krankenfahrten zum Arzt keine Genehmigung der Krankenkasse mehr nötig."

Zahl der Pflegebedürftigen steigt

Angebote für Betroffene

Unterstützungsangebote bieten unter anderem die Pflegekassen und Selbsthilfegruppen. Im Saarland gibt es außerdem acht gemeinschaftliche Pflegestützpunkte, die kostenlose Information und Unterstützung anbieten. Außerdem gibt es online einen Pflegelotsen.

Die Zahl der Pflegebedürftigen ist in den vergangenen Jahren bundesweit gestiegen – und damit auch der Bedarf an Pflege. Im Saarland waren 2015 laut Barmer insgesamt 40.000 Menschen pflegebedürftig. Zehn Jahre zuvor waren es noch 28.000. Knapp drei von vier Betroffenen seien 2015 zuhause gepflegt worden, teilweise mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes.

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