Peter Hartz, Arbeitsmarkt-Reformer und Ex-VW-Vorstand (Foto: picture alliance/dpa/guldner.de | Dirk Guldner)

Peter Hartz wird 80 Jahre alt

Karin Mayer   10.08.2021 | 08:08 Uhr

Er war VW-Vorstand, Arbeitsdirektor bei der saarländischen Stahlindustrie und Arbeitsmarkt-Reformer. Am Montag wurde Peter Hartz 80 Jahre alt.

Am späten Vormittag bei der SHS Foundation in Saarbrücken: SHS steht für Saarländer helfen Saarländern. Die Stiftung hat Peter Hartz gegründet. Hier sitzt er an seinem Schreibtisch und arbeitet - auch mit 80 Jahren noch.

Sein aktuelles Ziel: Er will Sympathie-Teams oder Saarlandbüros in allen Ländern der Welt aufbauen und Kontakte für die Region knüpfen. Das möchte er schaffen, "noch zu Lebzeiten". Dadurch sollen neue Impulse in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft entstehen. In 60 Ländern hat die Stiftung Teams schon aufgebaut. Konkrete Ergebnisse? Da bleibt Peter Hartz vage.

Hält an seinen Ideen fest

Peter Hartz feiert 80. Geburtstag
Audio [SR 3, Karin Mayer, 09.08.2021, Länge: 02:57 Min.]
Peter Hartz feiert 80. Geburtstag

Klar ist: Er glaubt an seine Ideen. Als VW-Vorstand hat er das Zeitwertpapier erfunden. Eine Art Langzeitkonto für Arbeitszeit, das den Übergang in den Ruhestand ermöglichen sollte. Daraus hat er inzwischen Timefonds gemacht. Aus der Ich-AG – der Selbständigkeit auf niedrigem Niveau hat er die Minipreneure gemacht. Ein Projekt der SHS Foundation.

Es soll dafür sorgen, dass Menschen jeden Alters berufstätig sein können. „Weil Arbeit für jeden Menschen ein Ausdruck von Würde ist, von seinem Stolz, und dass er gebraucht wird“, sagt Peter Hartz. „Und wenn er das einbringt für sich und seine Familie und für die Gesellschaft – dann ist das ein besonderer Wert.“

Gewerkschaftsmitglied mit steiler Karriere

Wer so denkt, kann sich einfühlen in Stahlarbeiter und Autobauer, die um ihre Jobs bangen. Das hat auch mit der Herkunft von Peter Hartz zu tun. Sein Vater war Hüttenarbeiter. Er ist seit dem ersten Tag seiner Berufsausbildung Mitglied der IG Metall. Als er später Arbeitsdirektor in der saarländischen Stahlindustrie war, gingen über 25.000 Jobs verloren. Peter Hartz schaffte es, Kündigungen zu vermeiden. Mit Vorruhestand, Weiterbildung und neuen Arbeitsmodellen wurde er Pionier für sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau.

VW-Vorstand in Wolfsburg

Mit diesen Modellen wurde Peter Hartz bundesweit bekannt. Er bekam ein Jobangebot bei VW. Auch in Wolfsburg mussten 30.000 Jobs abgebaut werden. Peter Hartz führte die Vier-Tage-Woche ein und vermied erneut Massenentlassungen. Die Aufmerksamkeit war groß und das SPD-Mitglied Peter Hartz wurde Berater für die Bundesregierung.

Arbeitsmarktreformen oder Hartz-Reformen

Der Anruf von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erreichte Peter Hartz im Auto. Er war auf dem Weg zu einer Aufsichtsratssitzung. Gerhard Schröder teilte ihm mit, dass er gleich in einer Pressekonferenz verkünden werde, dass Peter Hartz eine Kommission für neue Dienstleistungen am Arbeitsmarkt leiten solle. Peter Hartz wollte das erst mit der Unternehmensspitze und den Gremien besprechen, dazu kam er nicht. Kurze Zeit später war die Nachricht schon in den Medien.

Hartz IV statt Schröder-Reformen

Was folgte, war fatal. Die Hartz-Reformen brachten viel Kritik, die SPD verlor ihre Mehrheiten in Berlin und Hartz IV stand für Sozialabbau und soziale Ungerechtigkeit. Mit dem Arbeitslosengeld 2 gab es 345 Euro im Monat für den Lebensunterhalt. Zu wenig kritisierten Sozialverbände, Arbeitslose und: Peter Hartz. Die Kommission hatte damals 511 Euro im Monat vorgeschlagen, der durchschnittliche Betrag der Arbeitslosenhilfe.

Tiefpunkt: VW-Skandal

Der Tiefpunkt für Peter Hartz war im Jahr 2005 der VW-Skandal. Das Unternehmen hatte dem Betriebsratsvorsitzenden Vergnügungsreisen in Brasilien finanziert. Dafür übernahm der Personalvorstand die Verantwortung. Peter Hartz kam zurück ins Saarland, gekränkt und gedemütigt.

Damit hat er inzwischen seinen Frieden gemacht. Er beschäftigt sich weiterhin mit der SHS Foundation, den Minipreneuren und ist als Business Angel aktiv. Zeitmanagement, Weiterbildung, Transformation in der Industrie, dafür will er weiter Lösungsvorschläge machen. „Das ist noch ein Konzept, das uns unter den Nägeln brennt“, sagt er. „Wenn der liebe Gott will und der Kopf gut bleibt, werden wir das schaffen.“

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