Kindergarten (Foto: pixabay/FeeLoona)

Zu wenig Personal in saarländischen Kitas

Patrick Wiermer   25.08.2020 | 06:38 Uhr

In ihrem neuesten Bericht zur personellen Ausstattung der Kitas hat die Bertelsmann Stiftung dem Saarland eine schlechte Note ausgestellt. Für rund 84 Prozent der fast 18.000 Kita-Kinder gibt es demnach nicht genügend Personal.

Mit der Bewertung liegt das Saarland deutlich unter dem schon schlechten Bundesschnitt von 74 Prozent. Konkret drückt sich das im Personalschlüssel aus: In den Krippen betreut im Schnitt ein Erzieher vier, in den Kindergärten zehn Kinder. Das liegt deutlich über den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung. In den Krippen hat sich die Lage seit 2013 sogar leicht verschlechtert.

Video [aktueller bericht, 25.08.2020, ab 15:41 Min.]
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"Kita-Gruppen sind zu groß"

Zu wenig Personal in saarländischen Kitas
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 25.08.2020, Länge: 00:45 Min.]
Zu wenig Personal in saarländischen Kitas

"Fast die Hälfte der Kita-Gruppen sind zu groß, die Personalausstattung nicht kindgerecht und das Qualifikationsniveau der Fachkräfte zu niedrig. Das Saarland sollte sich in allen Bereichen verbessern", sagte Kathrin Bock-Famulla, Bildungsexpertin der Bertelsmann Stiftung.

Außerdem fehlt, so die Studie, in den allermeisten Einrichtungen Zeit für Verwaltungs- und Führungsaufgaben. In lediglich jeder fünften Kita ist laut der Studie ausreichend Freiraum vorhanden.

Große Unterschiede zwischen den Landkreisen

"Die Personalausstattung im Saarland ist nicht kindgerecht"
Audio [SR 3, Interview: Frank Hofmann / Anette Stein, 25.08.2020, Länge: 04:00 Min.]
"Die Personalausstattung im Saarland ist nicht kindgerecht"

Saarlandweit gibt es allerdings zum Teil erhebliche Unterschiede. Verhältnismäßig gut schneiden beim Personalschlüssel in Krippengruppen der Kreis St. Wendel, der Saarpfalz-Kreis, der Regionalverband Saarbrücken und der Landkreis Merzig-Wadern ab. Zwischen diesen Kreisen gibt es nur minimale Unterschiede. Deutlich schlechter schneiden dagegen die Landkreise Saarlouis und Neunkirchen ab.

Arme Kommunen

Beim Personalschlüssel in Kindergartengruppen bilden der Landkreis Neunkirchen und der Regionalverband Saarbrücken die Schlusslichter im Saarland. Der Landkreis Merzig-Wadern schneidet hier am besten ab. Die Kreise St. Wendel und Saarlouis sowie der Saarpfalz-Kreis bewegen sich jedoch mit ihrem Personalschlüssel auf einem ähnlichen Niveau.

Die Bertelsmann Stiftung führt die Unterschiede unter den Kreisen unter anderem auf die finanzielle Ausstattung der Kommunen zurück.

Arbeitskammer fordert mehr Investitionen

"Der Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung zeigt zum wiederholten Male auf, dass die Betreuungssituation in den saarländischen Kitas nicht kindgerecht ist und bei den Fachkräften zu einer hohen Arbeitsbelastung führt", kritisiert Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer des Saarlandes. Obwohl in den vergangenen Jahren mehr Personal eingestellt wurde, stagniere das ungünstige Betreuungsverhältnis von pädagogischer Fachkraft zu ganztagsbetreuten Kindern.

Das Saarland müsse dringend mehr in die frühkindliche Bildung investieren. Dazu gehöre mehr Personal in Kindertagesstätten, eine höhere Entlohnung der Fachkräfte und eine grundsätzlich vergütete Erzieher-Ausbildung, so Otto. "Außerdem muss es möglich sein, jetzt mehr Hauswirtschafts- und Verwaltungskräfte einzustellen, um das pädagogische Personal zu entlasten", fordert der Arbeitskammer-Chef.

Kritik auch vom Kinderhilfswerk

Die von der Bertelsmann Stiftung vorgelegten Zahlen zur Personalausstattung in deutschen Kitas seien "frustrierend", sagt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. Die Kinderrechtsorganisation mahnt deshalb bei Bund, Ländern und Kommunen größere Kraftanstrengungen zur Verbesserung der Kita-Qualität an.

Dazu brauche es aus Sicht des Kinderhilfswerkes sowohl mehr finanzielle Mittel als auch bundeseinheitliche Mindeststandards in der Qualität. Damit soll der Flickenteppich bei Qualitätsmerkmalen, wie der Personalausstattung und den Gruppengrößen, beendet werden.

Streichert-Clivot: Studie "etwas eindimensional"

Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) hält die Bertelsmann-Studie hingegen für „etwas eindimensional“. Die Qualität einer Kita lasse sich nicht allein am Personalschlüssel ablesen. Vielmehr sei für Kinder und Familien ein guter Zugang zu frühkindlicher Bildung und Betreuung ein wesentliches Qualitätsmerkmal - und hier habe das Land seit 2012 viel erreicht.

So habe sich die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren mit 8200 mehr als verdoppelt, im Kindergartenbereich gebe es mit nun 17.000 Plätzen ein Plus von 65 Prozent. Zudem habe man auf den Erzieher-Mangel reagiert. Die Zahl der Ausbildungsplätze sei um mehr als zwei Drittel auf fast 1800 erhöht worden, und alle Plätze seien belegt.

Der Koalitionspartner CDU kündigte an, das Finanzierungssystem für die Kitas unter die Lupe nehmen zu wollen - um so mehr Geld in die Qualität pumpen zu können. Saar-Grünen-Chef Tressel fordert von der Landesregierung, für einen Betreuungsschlüssel von 7,5 Kindern pro Kita-Betreuer zu sorgen. Derzeit liege er im Saarland bei 9,6 - und damit klar über dem Bundesdurchschnitt von 8,8.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 25.08.2020 berichtet.

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