Zwei Paviane im Neunkircher Zoo (Foto: Imago/Becker&Bredel)

Platzmangel bei Pavianen im Neunkircher Zoo

Caroline Uhl / mit Informationen von Julia Lehmann   12.04.2018 | 19:42 Uhr

Im Paviangehege im Neunkircher Zoo leben nach Einschätzung des saarländischen Tierschutzbeauftragten Willimzik zu viele Tiere auf zu engem Raum. Tiere hatten sich gegenseitig verletzt, das sei nicht artgerecht, sagte Willimzik dem SR. Der Zoo steuert gegen.

Zuletzt hatte ein kritischer Facebook-Post über das Neunkircher Pavian-Gehege für Aufregung gesorgt. Die Kritik: viel zu wenig Platz für zu viele Tiere, kein Stroh, kein Spielzeug, Bisswunden und kahle Stellen. Eine Besucherin hatte zuvor Tiere fotografiert und die Bilder einer Tierschutzorganisation zur Verfügung gestellt.

Der Neunkircher Zoodirektor Norbert Fritsch betont, das Pavian-Gehege sei an sich artgerecht. Viel wichtiger als beispielsweise Spielzeug sei für Paviane, dass sie in einer großen Gruppe lebten und miteinander spielen könnten. Dass es dabei zu Streitereien und Wunden komme, sei normal.

Jede Verletzung ein Handicap

Situation der Paviane im Neunkircher Zoo
Audio [SR 3, Julia Lehmann, 12.04.2018, Länge: 03:00 Min.]
Situation der Paviane im Neunkircher Zoo

Der saarländische Tierschutzbeauftragte, Hans-Friedrich Willimzik, widerspricht. In der Regel sei davon auszugehen: "Bei einem arttypischen Verhalten gehen die Streitigkeiten nie soweit, dass sich gegenseitig Verletzungen zugefügt werden", sagt Willimzik. "In der Natur bedeutet jede Verletzung ein Handicap, jede Verletzung kann eine Infektion bedeuten und jede Verletzung kann zum Tod führen", erläutert der Tierarzt.

Nach Willimziks Einschätzung ist das Pavian-Gehege in Neunkirchen einfach zu klein. Tatsächlich haben sich die Tiere in den vergangenen Jahren stark vermehrt. Es sind mittlerweile bereits um die 100 Paviane.

Zahl der Tiere soll sinken

Der Zoo steuert aber bereits gegen: Weil sich das Gehege nicht vergrößern lässt, soll die Zahl der Tiere in Zukunft sinken, aber ohne, dass Tiere eingeschläfert werden müssen. „Die jüngeren Männchen wurden kastriert, die älteren Männchen, um das Sozialgefüge nicht zu stören, wurden nur sterilisiert", sagt Zoodirektor Frisch. Weibchen, die nicht gerade schon schwanger waren, hätten außerdem ein Hormonimplantat bekommen.

Paviane werden allerdings bis zu 50 Jahre alt. Das Problem mit den vielen Tieren im Neunkircher Zoo wird sich also nicht von heute auf morgen lösen lassen.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Nachmittag auf SR3 Saarlandwelle vom 12.04.2018 berichtet.

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