Ein Pavian im Zoo Neunkirchen (Foto: SR Fernsehen)

Pavian-Gehege: "Das ist Tierquälerei"

Kai Forst   20.04.2018 | 15:20 Uhr

Die Zustände im Pavian-Gehege des Neunkircher Zoos haben nun auch den Umweltausschuss des Saar-Landtages erreicht. Und dort wurde der Tierschutzbeauftragte des Saarlandes, Hans-Friedrich Willimzik, deutlich. "Das ist Tierquälerei", bekräftigte Willimzik seine Kritik an der Haltung der Paviane. Eine Tierschutzorganisation droht dem Zoo unterdessen mit Strafanzeige.

In seiner Stellungnahme vor den Abgeordneten des Umweltausschusses erneuerte Willimzik seine Kritik - wurde allerdings wesentlich deutlicher als noch einige Wochen zuvor, als die Kritik am Zustand der Neunkircher Paviane öffentlich geworden war. "Das ist Tierquälerei", erklärte der saarländische Tierschutzbeauftragte daher am Freitag. Mit einer artgerechten Haltung habe das nichts zu tun. Mittlerweile lebten rund 100 Tiere im 600 Quadratmeter großen Gehege – das setze die Tiere unter Stress, führe zu Kämpfen und Verletzungen. Vor allem das Innengehege sei mit 50 Quadratmetern deutlich zu klein.

"Geburtenkontrolle kann das Problem nicht lösen"

Die Linke hat im Umweltausschuss deshalb unverzügliche Neubauten im Zoo gefordert – das gilt aber als kaum umsetzbar. Der Zoo will stattdessen durch Geburtenkontrolle die Zahl der Paviane verringern. Doch das sieht Willimzik kaum als adäquates Mittel. "Wir haben hier ein Riesenproblem, das wir durch Geburtenkontrolle in den nächsten 20 Jahren nicht lösen können. Denn die Tiere werden in Gefangenschaft bis zu 45 Jahre alt", sagte Willimzik auf Nachfrage von SR.de.

Stattdessen kommt für den Tierschutzbeauftragten nur eines in Frage: ein zusätzlicher Neubau. "Ansonsten sehe ich keine vernünftigte Lösung." Denn die Abgabe von Pavianen an andere Zoos komme nicht in Frage, da diese selbst schon an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen seien.

Zoodirektor spricht von Schmutzkampagne

Video [aktueller bericht, 27.04.2018, Länge: 3:33 Min.]
Tierschutzbeauftragter sorgt sich um Paviane im Neunkircher Zoo

Zoodirektor Norbert Fritsch weist indes weiterhin die Vorwürfe von sich, die Haltung der Tiere sei nicht artgerecht. Das sei eine Schmutzkampagne militanter Tierschützer, die generell gegen Zoos seien. Gleichzeitig sieht sich Fritsch mit einer anstehenden Strafanzeige der Tierschutzorganisation "Great Ape Project" konfrontiert. Die kam jüngst nach einer Besichtigung des Geheges zu einem ähnlichen Ergebnis wie der Tierschutzbeauftragte. Zu viele Tiere auf zu engem Raum, was zu art-untypischem Verhalten und Stress bei den Tieren führt.

Zudem zeigten einige Tiere teils schwere und veterinärmedizinisch offenbar unbehandelte Läsionen am ganzen Körper. "Wir haben uns das Gehege sehr umfangreich angesehen. Wenn der Zoo bis zum Spätsommer nicht erkennen lässt, dass er was tut, wird es eine Klage geben. Denn hier wird gegen das Tierschutzgesetz und die Haltung von Säugetieren verstoßen", sagte ein Sprecher des Great Ape Projects SR.de.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "aktuell" am 27.04.2018 berichtet.

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