Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenmappen (Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Anklage gegen Pathologen

Thomas Gerber   19.10.2020 | 13:19 Uhr

Im Skandal um den St. Ingberter Pathologen Dr. Thomas H. hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Nachdem der 61-Jährige vom Landgericht bereits wegen Korruption zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden war, geht es jetzt um den eigentlichen Kern des Skandals.

Der St. Ingberter Pathologe Dr. Thomas H. soll Gewebeproben falsch analysiert und falsche Krebsdiagnosen gestellt haben. Dies hatte in einem Fall tödliche Folgen. Es sind Kunstfehler der schlimmsten Kategorie – Patienten wurden Teile des Darms, des Oberkiefers, des Gaumens oder die komplette Prostata entfernt. Sie mussten unnötige Chemotherapien über sich ergehen lassen. In einem Fall verstarb ein 55-Jähriger nach einer überflüssigen Operation an einer Sepsis. Vier Fälle hat die Staatsanwaltschaft nun angeklagt. Der schwerwiegendste tödliche Kunstfehler betrifft Dr. H. als Betreiber des St. Ingberter Instituts. Zwei gehen auf das Konto seines inzwischen 79 Jahre alten Kollegen, der beim Institut angestellt war. Während die Staatsanwaltschaft bei dem 79-Jährigen lediglich von fahrlässiger Körperverletzung ausgeht, da er einfach nicht sachgemäß gearbeitet haben soll, unterstellt sie dem Hauptbeschuldigten vorsätzliches Handeln.

Video [aktueller bericht, 19.10.2020, ab Minute 11:42]
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Aufmerksame Oberärztin

Der Mediziner hatte seit Jahren Alkoholprobleme, war gar mal in einer Suchttherapie. Er wusste um seine Probleme, arbeitete trotzdem weiter und nahm so nicht nur billigend in Kauf, dass er Falschdiagnosen stellte sondern auch, dass Patienten, die gar nicht an Krebs erkrankt waren, operiert wurden. Das Verfahren gegen den Pathologen war aufgrund einer Strafanzeige einer Oberärztin des Saarbrücker Winterbergklinikums ins Rollen geraten. Ihr war mehrfach aufgefallen, dass die Diagnosen des 61-Jährigen nicht zutreffend waren.

Anklage im Pathologen-Skandal St. Ingbert
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 19.10.2020, Länge: 01:10 Min.]
Anklage im Pathologen-Skandal St. Ingbert

Die Ermittlungen gegen den Pathologen sind mit der Anklage noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch zahlreiche Fälle, in denen fälschlicherweise keine schwere Erkrankung diagnostiziert worden war. Patienten sind deshalb möglicherweise gar nicht oder zu spät behandelt worden. Darüber hinaus hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf den Vorsitzenden der Saarländischen Ärztekammer Josef Mischo ausgeweitet. Bei Mischo fanden kürzlich mehrere Hausdurchsuchungen statt. Er soll von den Alkoholproblemen des Pathologen gewusst haben, es aber unterlassen haben, die Approbationsbehörde einzuschalten. 

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 19.10.2020 berichtet.

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