Eine Gewebeprobe wird in einer Pathologie archiviert.  (Foto: dpa)

Pathologe in Untersuchungshaft

mit Informationen von Thomas Gerber   20.02.2020 | 12:20 Uhr

Der Skandal um einen St. Ingberter Pathologen, der Gewebeproben falsch diagnostiziert haben soll, weitet sich aus. Laut Staatsanwaltschaft besteht gegen den 61-Jährigen nun auch der Verdacht der Korruption. Der Mediziner sitzt deswegen seit einer Woche in Untersuchungshaft.

Gegen den 61-jährigen Mediziner wird seit fast sechs Monaten wegen mutmaßlicher falscher Diagnosen bei der Untersuchung von Gewebeproben ermittelt, in deren Folge es zu mehreren überflüssigen Krebsoperationen gekommen sein soll. Im Zuge dieser Ermittlungen sind nach SR-Informationen in der Buchhaltung des St. Ingberter Instituts rätselhafte Überweisungen aufgetaucht. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass es sich um Schmiergeldzahlungen handelte.

Video [aktueller bericht, 20.02.2020, ab Minute 2:05]
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Schaden von rund 840.000 Euro

Pathologe wegen Fluchtgefahr in U-Haft
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 20.02.2020, Länge: 01:05 Min.]
Pathologe wegen Fluchtgefahr in U-Haft

Konkret soll der 61-Jährige niedergelassenen Ärzten, die ihre Gewebeproben an sein Institut geschickt hatten, eine Art Rabatt gewährt haben. Zehn Prozent der Summe, die er für seine Analysen bekommen hatte, sollen an die niedergelassenen Ärzte zurückgeflossen sein. Insgesamt geht es um 64 Fälle von Bestechung im Gesundheitswesen. Der Schaden für die kassenärztliche Vereinigung liegt bei rund 840.000 Euro. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben in 17 Fällen wegen des Verdachts des besonders schweren Betrugs.

Für die niedergelassenen Ärzte, die mit dem Pathologen gemeinsame Sache gemacht haben sollen, könnte es ebenfalls noch Konsequenzen geben. Förmliche Ermittlungsverfahren sind zwar noch nicht eingeleitet worden, gelten aber als wahrscheinlich.

27 Fälle möglicher Falschdiagnosen

Im Hinblick auf die Ermittlungen zu den Falschdiagnosen, die der 61-Jährige gestellt haben soll, teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass derzeit 27 Fälle überprüft würden. Es seien jeweils Gutachten beauftragt worden.

Da der Beschuldigte gute Beziehungen in die Schweiz hat und dorthin offenbar auch Geld abgeflossen war, sah der Richter Fluchtgefahr und ordnete Untersuchungshaft an.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 20.02.2020 berichtet.

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