Eingang vom "Paradise" (Foto: SR)

Haftstrafen im Paradise-Prozess

Axel Wagner / mit Informationen von SWR, dpa und AFP   27.02.2019 | 11:22 Uhr

Der Gründer der Bordellkette „Paradise“, Jürgen Rudloff, muss für fünf Jahre in Haft. Das hat das Landgericht Stuttgart am Mittwoch entschieden. Rudloff hatte mehrere Großbordelle betrieben, darunter auch eines in Saarbrücken.

Ein für das Marketing zuständiger Mitarbeiter muss einem SWR-Bericht zufolge für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis, ein steuerlicher Berater kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Das Gericht sprach die Angeklagten wegen Beihilfe zum Menschenhandel, Zwangsprostitution und Betrugs schuldig. Im Prozess hatten mehrere Prostituierte ausgesagt, mit welch grausamer Gewalt sie gegen ihren Willen von Männern aus dem Rockermilieu zur Prostitution gezwungen worden waren. Dass diese kriminellen Strukturen durch den Prozess aufgedeckt worden sind, werten Prostituierten-Schutzorganisationen als großen Erfolg.

Video [aktueller bericht, 27.02.2019, Länge: ab Min. 16:42]
Nachrichten

2008 hatte Rudloff sein erstes Bordell vor den Toren von Stuttgart eröffnet – medienwirksam inszeniert als „Wellnessoase für den Mann, in der Frauen freiwillig arbeiten“. Weitere Großbordelle in Frankfurt, Graz und auf dem Saarbrücker Matzenberg kamen hinzu. Im Zuge jahrelanger Ermittlungen hatte es dort Ende 2014, kurz nach der Eröffnung, eine großangelegte Durchsuchung gegeben. Der Gründer hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits ins Ausland abgesetzt.

Mit Gewalt zur Prostitution gezwungen

Laut Anklage hatten in dem Betrieb aber Rocker der Hells Angels und United Tribuns das Sagen. Sie lockten junge Frauen ins Bordell. Wer aussteigen wollte, wurde mit Drohungen und Schlägen gefügig gemacht. Nach Überzeugung des Gerichts hatten es die beiden Verantwortlichen der Bordelle in Leinefelden-Echterdingen und Saarbrücken ermöglicht, dass dort von März 2008 bis Dezember 2014 mindestens 17 „den Gewalttätigkeiten von Menschenhändlern und Zuhältern ausgelieferte junge Frauen zeitweise der Prostitution ohne wesentlichen eigenen Verdienst nachgehen mussten“.

Rudloff räumte in seinem Geständnis ein, vor dieser Gewalt die Augen verschlossen zu haben. Außerdem soll er laut Anklage Großinvestoren seiner Bordelle um mehr als eine Million Euro betrogen haben. Das Gericht ordnete an, Wertersatz in Höhe von 1,3 Millionen Euro einzuziehen.

Ende Dezember 2018 war bereits der frühere Geschäftsführer des Bordells in einem abgetrennten Verfahren zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Über dieses Thema hat auch die „Region am Mittag“ am 27.02.2019 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

Artikel mit anderen teilen