Die Artemis-1-Rakete steht auf dem Pad 39B des Kennedy Space Centers zum Start bereit (Foto: picture alliance/dpa/AP | John Raoux)

Mondmission "Artemis" weckt Erinnerungen an erste Mondlandung

  03.09.2022 | 17:24 Uhr

Es war schon 1969 ein großer Schritt für die Menschheit – und so soll auch die aktuelle Mission "Artemis" zum Mond die Forschung ein gutes Stück voranbringen. Der Start wurde allerdings erneut verschoben. Über die erste Mondlandung hatte SR-Journalist Otto Deppe live berichtet – jetzt erinnert er sich an damals.

53 Jahre ist die erste Landung auf dem Mond her. Vor 50 Jahren, 1972, waren zuletzt Menschen auf dem Mond. In den nächsten Jahren soll es nach all den Jahrzehnten erneut soweit sein. Dafür sollte diese Woche ein wichtiger Testflug beginnen: Im Rahmen der Mondmission "Artemis I." wollte die Nasa die Trägerrakete "Space Launch System", kurz SLS, ins All schicken – unbemannt. Wegen eines technischen Problems hat die Nasa den Start am Samstag aber kurzfristig abgesagt.

Mondmission in gewaltigen Dimensionen

Die geplante Rückkehr der Menschen zum Mond erweckt international Aufmerksamkeit. Diesmal ist auch die Europäische Raumfahrtagentur Esa beteiligt, die das europäische Servicemodul ESM zugeliefert hat.

Die Dimensionen des Projekts sind gewaltig: Jahrelange Vorbereitungen stecken in der Mission und 4,1 Milliarden Dollar bereits allein im Start. "Da hängen ungeheure Hoffnungen dran", sagt Otto Deppe.

"Ein beeindruckendes Bild"

Der SR-Journalist hat viele Jahre über die Nasa-Missionen berichtet – auch über die erste Mondlandung. Den Tag des Starts am 16. Juli 1969 hat er noch plastisch vor Augen: "Das war ein beeindruckendes Bild in einer gewaltigen Kulisse, als die Rakete mit dem riesigen Feuerschweif in den blauen Himmel abgehoben ist." Und auch in den Ohren hallte der Missionsstart noch lange nach: "Das war ein Lärm, den man gar nicht beschreiben kann."

Otto Deppe live aus Houston (1969)
Audio [SR.de, (c) SR, 01.11.2016, Länge: 02:33 Min.]
Otto Deppe live aus Houston (1969)
Am 20. Juli 1969 setzte die Landefähre der Apollo 11 auf der Mondoberfläche auf. Neil Armstrongs Worte beim Ausstieg gingen in die Geschichte ein. Und die SR-Hörer waren live dabei, denn Otto Deppe berichtete direkt aus dem Nasa-Kontrollzentrum in Houston.

Deppe selbst saß damals auf der Pressetribüne in Cape Canaveral nur wenige Kilometer von der Startrampe entfernt. Von dort aus versorgte er "fast alle deutschen Sender", wie er sagt, sowie Sender aus der Schweiz und Österreich mit Informationen über das Weltereignis, das ein Millionenpublikum interessierte.

"Der kleine SR" in Houston

Häufig habe man ihm in den Jahren danach die Frage gestellt, warum "der kleine SR" einen eigenen Reporter nach Amerika geschickt hatte. "Die anderen Sender waren kaum mit eigenen Leuten vertreten", sagt er heute. "Ich weiß nicht genau, warum." Und so war er einer derjenigen, der den weltberühmten Satz übersetzt hat: "Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein Riesen-Fortschritt für die gesamte Menschheit".

Im Vergleich mit der aktuellen Mission sei damals alles "im Zeitraffer" vorangeschritten. "Mit einfachsten Mitteln für die heutige Zeit" sei die Rakete für die erste Mondlandung gebaut worden. Die Computer arbeiteten damals mit der Leistung, die heute jedes Handy erbringen könne. "Vielleicht gab es damals nicht so viel Bürokratie wie heute", vermutet der Journalist Deppe.

Wieder Menschen auf dem Mond

Heute müsse sich die Politik außerdem immer wieder vor den Steuerzahlenden rechtfertigen, was die hohen Summen für die Weltraumforschung betrifft. Dem anstehenden Start der Trägerrakete misst Deppe daher eine große Bedeutung bei: Wenn beim Auftakt der Artemis-Mission etwas schiefgeht, "dann wird das Mondprogramm um lange, lange Zeit zurückgeworfen".

In den nächsten Phasen der Mission sollen auch wieder Menschen in Richtung Mond fliegen. Irgendwann sollen dann auch regelmäßige Mondflüge erfolgen, damit es dann weitergehen kann Richtung Mars. Erstmal seien das aber reine Zukunftsvisionen. "Da stehen noch so viele Wenns und Abers dazwischen, dass ich da noch keine Vorhersage treffen mag", sagt Deppe.

Eine Anekdote teilt er aber noch: Nach der erfolgreichen Mondlandung 1969 sei die Euphorie so groß gewesen, dass es eine Liste für Journalistinnen und Journalisten gegeben habe, in die sich diejenigen eintragen konnten, die an einer Reise zum Mond interessiert seien. Dies ließ sich der SR-Journalist nicht entgehen: "Wenn es diese Liste noch gibt, dann stehe ich da auch noch drauf", sagt Deppe.

Die Mission "Artemis I." hätte eigentlich bereits am Montag starten sollen. Kurzfristig hat die Nasa den Launch aber wegen technischer Probleme gestoppt. Auch der für Samstag geplante zweite Starttermin musste nun verschoben werden.


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