Eine Organtransportbox (Foto: dpa/Jens Kalaene)

Organspende: Diskussion um Widerspruchslösung

Florian Possinger / Onlinefassung: Rebecca Kaiser   03.09.2018 | 20:34 Uhr

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will bei der Organspende von der Entscheidungslösung zur Widerspruchslösung. Das bedeutet, Bürger müssten aktiv einer Organspende widersprechen. Ralf Ketter von der Uniklinik Saar begrüßt diesen Vorschlag, Klaus Schmitt vom Infoteam Organspende Saar steht der Widerspruchslösung kritisch gegenüber.

Bislang gilt die Regelung: Wer seine Organe spenden will, muss das auf einem Ausweis klar gekennzeichnet haben. Diese sogenannte Entscheidungslösung gilt seit sechs Jahren. Bei der nun ins Spiel gebrachten Widerspruchslösung würde jeder Bürger automatisch zum Spender. Außer er hat irgendwo festgehalten, dass er seine Organe nicht spenden möchte. Die Bundesbürger müssten sich also aktiv dagegen entscheiden.

Widerspruchslösung könnte Bürger abschrecken

Ralf Ketter, Koordinator der Organspende an der Uniklinik Homburg, begrüßt die Diskussion prinzipiell: "Man muss ja sagen, dass im letzten Jahr ein Tiefpunkt erreicht war was die Organspende in Deutschland angeht. So dass in Deutschland auf jeden Fall die Diskussion wieder angestoßen werden muss. Wie steht jeder Einzelne zur Organspende?" Und in dieser Diskussion sei der Vorstoß, eine Widerspruchslösung anzustreben, ein möglicher Weg.

Video [aktueller bericht, 03.09.2018, Länge: 3:24 Min.]
Organspende: Diskussion um die Widerspruchslösung 

Jens Spahn will die Widerspruchslösung nicht in einem Gesetzesentwurf seines Ministeriums formulieren. Dieses Thema müsse zunächst im Bundestag diskutiert werden. Spahn will damit eine breite gesellschaftliche Debatte zur Organspende auslösen. Die Widerspruchslösung den Bürgern aufzuzwingen könnte abschrecken.

Klaus Schmitt vom Infoteam Organspende Saar steht der Lösung kritisch gegenüber: Damit vertraue man ein Stück auf die Faulheit der Bevölkerung. Schmitt würde es stattdessen befürworten, wenn sich die Bürger weiterhin selbstständig für eine Organspende entscheiden würden.

Strukturelle Probleme in kleinen Krankenhäusern

Das Problem ist laut dem ehrenamtlichen Infoteam Organspende auch nicht die Zustimmung zur Spende. Das Problem sei struktureller Art. Kleinere Krankenhäuser hätten keine Routine beim Umgang mit möglichen Spendern. Die Prozedur setze viel Wissen voraus und koste Geld und Zeit. Genau daran mangele es, deswegen würden potentielle Spender dort gar nicht erfasst.

Auch Ketter sieht das strukturelle Problem: "Der Punkt, das muss man ganz klar sagen, ist, dass es ein erheblicher Aufwand ist, die Organspende zu starten und durchzuführen. Diesen Aufwand, gilt es so abzubilden, dass er für alle tragbar ist." Das sei sowohl ein Zeitproblem als auch ein Personalproblem und damit verbunden auch ein Kostenproblem.

Deutschlandweit gab es im vergangenen Jahr knapp über neun Organspender pro eine Million Einwohner. Im Saarland waren es immerhin 16. Doch zugleich warten rund 200 Saarländer auf ein Spenderorgan.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 03.09.2018 berichtet.

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