Am 2. Juni ist Tag der Organspende (Foto: Imago/Christian Ohde)

Der Wunsch nach geschenktem Leben

Felicitas Fehrer   02.06.2018 | 07:00 Uhr

Aktuell warten im Saarland rund 100 Menschen auf ein Spenderorgan. Für die meisten von ihnen ist eine Transplantation die einzige Möglichkeit auf ein Weiterleben. Aber wer entscheidet, wer zuerst ein Spenderorgan bekommt? Und welches Organ wird am häufigsten benötigt? Hier kommen Fakten rund um das Thema Organspende.

Ende 2017 standen im Saarland 97 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Sie sind auf Menschen angewiesen, die sich dazu bereit erklärt haben, nach ihrem Ableben ihre Organe zu spenden. Laut einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stehen über 80 Prozent aller Befragten einer Organspende grundsätzlich positiv gegenüber, 36 Prozent haben ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis dokumentiert.

Im Saarland gab es in diesem Jahr bisher sieben Organspender - ihnen wurden 23 Organe für eine Transplantation entnommen. Im vergangenen Jahr waren es 16 Organspender, denen 47 Organe für die Transplantation entnommen wurden.

"Für Patienten, bei denen ein Organ versagt, bedeutet die Transplantation häufig die einzige Chance auf Lebensrettung", erklärt Susanne Venhaus von der Deutschen Stiftung für Organtransplantation. Die Behandlungsmethode sei heute ein etabliertes und erfolgreiches Verfahren, sodass die meisten Patienten nach der Organübertragung wieder ein nahezu normales Leben führen könnten.

Niere auf Platz Eins

Die Vermittlung der gespendeten Organe erfolgt laut Venhaus nach rein medizinischen Kriterien. Gemäß dem Transplantationsgesetz hat die Bundesärztekammer bestimmte Richtlinien für die Vermittlung erstellt. Die Stiftung Eurotransplant ist für die Vermittlung der Organe zuständig. Diese Vermittlungsstelle erhält alle notwendigen medizinischen Daten des Spenders. "Mit Hilfe eines Computerprogramms wird dann der am besten geeignete Empfänger ermittelt", sagt Venhaus.

Auf Platz Eins der am häufigsten benötigten Organe steht die Niere. "Die übrigen Organe werden aber genauso dringend benötigt. Beispielsweise standen am 31.12.2017 insgesamt 724 Menschen auf der Warteliste für eine Herztransplantation. Im vergangenen Jahr konnten 257 Herzen übertragen werden", so Venhaus.

Gespräch mit den Angehörigen

Damit einer verstorbenen Person ein Organ entnommen und jemand anderem transplantiert werden kann, muss zunächst der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen von zwei Ärzten unabhängig voneinander festgestellt werden. Dabei werden die Beatmung und das Herz-Kreislaufsystem des Verstorbenen künstlich aufrecht erhalten. Das ist nur auf einer Intensivstation möglich.

"Wenn der Hirntod feststeht, wird ein Gespräch mit den Angehörigen geführt. Das erfolgt ohne Zeitdruck", sagt Venhaus.

Wo gibt's den Ausweis?

Der Organspendeausweis kann kostenfrei im Internet bestellt werden. Auch in vielen Arztpraxen, Bürgerämtern und Apotheken gibt es ihn gratis zum Mitnehmen. Krankenversicherten ab 16 Jahren wird er alle zwei Jahre per Post zugesandt.

Ausgeschlossen wird eine Organentnahme in der Regel, wenn beim Verstorbenen eine akute Tumorerkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegen. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte laut Venhaus nach den vorliegenden Befunden, ob Organe für eine Entnahme in Frage kommen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 31.05.2018, Länge: 28:45 Min.]
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Jahrelang warten Transplantationskandidaten mitunter auf ein Spenderorgan. Die Wartezeit ist kräftezehrend und nervenaufreibend - nicht nur für die Patienten, sondern auch für Angehörige.

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