Dating App Tinder (Foto: IMAGO / NurPhoto)

Sind Dating-Apps so oberflächlich wie ihr Ruf?

Aaron Klein   15.01.2023 | 15:51 Uhr

Per Dating-App kann man schnell potentielle Liebespartner finden und kennenlernen. Auch bei der Suche nach einer längerfristigen Beziehung können sie hilfreich sein. Das bestätigt eine Saarbrücker Psychotherapeutin.

Ein Blick auf das Profilbild, ein Wisch nach rechts oder ein Wisch nach links und schon ist entschieden, ob man an einer Person Interesse hat oder nicht. Finden sich zwei Menschen gegenseitig gut, gibt es ein Match. Das ist das Prinzip vieler Dating-Apps. Auf den ersten Blick eine recht oberflächliche Entscheidungsgrundlage. Warum sich auch langfristig binden, wenn hinter dem nächsten Wisch jemand viel besseres warten könnte?

Sind Dating-Apps also eher auf flüchtige Bekanntschaften ausgelegt oder suchen die Benutzer vielmehr feste Partnerschaften?

Zusammenleben großer Wunsch von Dating-App-Nutzern

Paare, die sich über eine Dating-App kennenlernen, sehnen sich mehr danach mit ihrem Partner zusammenzuleben als Paare, die sich „offline“ kennengelernt haben. Zu diesem Ergebnis kam bereits 2018 eine Studie der Universität Genf, für die über 3000 Erwachsene, die in einer Beziehung waren und ihren Partner in den vergangenen zehn Jahren kennengelernt hatten, befragt wurden. Die befragten Frauen äußerten außerdem öfter den Wunsch, bald eine Familie gründen zu wollen.

Saarländer besonders bindungsorientiert

Auch die Saarbrücker Psychotherapeutin Dorothee Asmus-Timm ist der Meinung, Dating-Apps seien geeignet um langfristige Beziehungspartner zu finden. So erkenne man auf den Profilen direkt, ob das Gegenüber auch aktiv eine Beziehung suche oder eben nicht.

Gerade im Saarland hätten „App-Beziehungen“ das Potential lange zu halten; man sehe, bei der Partnersuche, was das Gegenüber sucht und „Saarländer sind eher familienbezogen und bindungsorientiert“, so die Therapeutin.

Der Ruf von Dating-Apps sei auch gar nicht mehr so schlecht, die Hürden für das gegenseitige Kennenlernen seien niedrigschwellig. Gerade in der Pandemie, wo man keine neuen Menschen in Clubs oder auf Partys kennenlernen konnte, seien Dating-Apps deshalb eine gute Alternative gewesen.

Oberflächlichkeit ist Fluch und Segen

Für das Zustandekommen einer Beziehung sei es egal, ob man sich online oder offline kennenlerne, sagt Dorothee Asmus-Timm. Das schnelle Match könne aber auch falsche Erwartungen schüren, etwa wenn eine Seite sich zu schnell zu viele Hoffnungen macht. Die Therapeutin bemerkt auch, dass beim Online-Match im wahrsten Sinne die Chemie zwischen zwei Menschen fehlt, das persönliche „Beschnuppern“ ist online nicht möglich.

Gemeinsame Werte für Singles besonders wichtig

Die weltweit beliebteste Dating-App ist nach wie vor Tinder. Eine Studie, die Tinder 2022 veröffentlicht hat, ergab, dass Oberflächlichkeiten beim Dating eine immer kleinere Rolle spielen. Sinn für Humor, Loyalität oder Aufgeschlossenheit sind jungen Singles demnach wichtiger als das Aussehen.

Die befragten Singles zwischen 18 und 25 Jahren gaben außerdem an, dass sie sich vermehrt für gemeinsame Werte und Gesellschaftsfragen interessierten. Klimawandel, Feminismus und mentale Gesundheit lagen demnach 2022 unter den meist genannten Interessen bei Tinder.

Nicht nur positive Aspekte

Die meisten Paare lernen sich weiterhin über gemeinsame Freunde kennen, Internet und Online-Dating landen laut einer aktuellen Umfrage aber schon auf Platz zwei der häufigsten Kennenlern-Orte. Und nicht alle Nutzer haben positive Erfahrungen dort gesammelt.

Tinder-Nutzer sind zum Beispiel häufiger unzufrieden mit sich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der University of North Texas. Wer in der App am Tag mehrfach virtuell abgewiesen wird, könnte sich demnach auch entpersönlicht und austauschbar fühlen.

Ein Forschungsprojekt der privaten SRH Fernhochschule aus Baden-Württemberg kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass über 80 Prozent der befragten Tinder-Nutzerinnen das Online-Dating nicht als hilfreich wahrnehmen. Je länger sie auf Tinder unterwegs waren, desto stärker traten depressive Erscheinungen auf – für die Studie wurden allerdings nur 162 Nutzerinnen befragt.

Erwartungen vorher abstecken

Für erfolgreiches Online-Dating empfiehlt die Psychotherapeutin Asmus-Timm, die persönlichen Erwartungen vorher klar festzulegen. Man solle sich vorher klar werden, was man eigentlich sucht und das dann klar kommunizieren. Zudem sollte man sich bewusst werden, dass man beim Online-Dating und bei Dating-Apps aus der Anonymität des Internets heraustritt. „Gerade im Saarland, wo jeder einen kennt, der einen kennt“, so die Therapeutin.


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