Intensivpflegerinnen sind in Schutzkleidungen auf der Covid-19-Intensivstation einer Klinik mit der Versorgung von Corona-Patienten beschäftigt (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)

Einbruch bei Darmkrebs-OPs während Omikron in Saar-Kliniken

  08.09.2022 | 15:26 Uhr

Ähnlich wie in vorangegangenen Coronawellen hat auch Omikron zu einem starken Rückgang der Behandlungen in saarländischen Krankenhäusern geführt. Vor allem bei den Darmkrebs-Operationen ist ein Einbruch erkennbar.

Die Corona-Pandemie lässt die Zahl der Krankenhausfälle deutlich schrumpfen. Das war auch bei der ersten Omikron-Welle zu Beginn des Jahres erkennbar. Nach einer aktuellen Auswertung der Krankenkasse AOK ist im Saarland von Januar bis Mai 2022 insgesamt ein Rückgang 20 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019 festzustellen.

Zu wenige Darmkrebs-Früherkennungen

Besonders drastisch war die Situation bei den Darmkrebs-Operationen – mit minus 43 Prozent. Laut AOK handelt es sich dabei um den höchsten Rückgang aller bisherigen Pandemiewellen. „Der anhaltende starke Rückgang ist in seinem Ausmaß alarmierend. Hier besteht der Verdacht, dass ausgebliebene Diagnostik und Früherkennung dazu führen, dass Darmkrebs-Erkrankungen nicht rechtzeitig erkannt und frühzeitig behandelt werden“, erläutert Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland.

Auch die Herzinfarkt-Behandlungen sind in der Omikron-Welle im Vergleich zum Zeitraum Januar bis Mai 2019 um 24 Prozent gesunken. Bei den Schlaganfall-Behandlungen wurde ein Rückgang von elf Prozent verzeichnet. Dabei waren die Rückgänge bei den leichteren Infarkten und Schlaganfällen stärker ausgeprägt als bei den schweren Fällen. „Dies deutet darauf hin, dass Patientinnen und Patienten mit milderen Symptomen oftmals nicht den Notarzt gerufen haben und in vielen Fällen nicht oder nur mit Verzögerung im Krankenhaus angekommen sind“, sagte Niemeyer.

Insgesamt war der stärkste Fallzahl-Rückgang im April 2022 mit minus 24,6 Prozent zu verzeichnen. Vor allem die Personalausfälle in den Kliniken infolge der zahlreichen Omikron-Infektionen waren laut AOK ausschlaggebend.

Kliniken in Finanznot

Der Personalmangel in den saarländischen Krankenhäusern hat zudem noch einen weiteren bitteren Nachgeschmack. Denn durch den hohen Krankenstand müssen Betten leer bleiben, was zu Umsatzeinbußen und einer wirtschaftlichen Schieflage führt. Jüngst forderte die Saarländische Krankenhausgesellschaft daher einen Zuschuss von rund 100 Millionen Euro vom Bund als Soforthilfe.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 08.09.2022 berichtet.

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