Oberstufenklasse mit Mundschutz (Foto: picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt)

Schüler beklagen Missstände zu Beginn des Schuljahres

  02.10.2021 | 10:04 Uhr

Schüler und Elternvertreter haben der Landesregierung Versäumnisse bei der Bewältigung der Folgen der Corona-Maßnahmen vorgeworfen. Angekündigte Nachhilfeangebote ließen auf sich warten, es mangele an technischen Geräten. Das Bildungsministerium versucht, die Vorwürfe zu entkräften.

Die Einschränkungen im Unterricht durch die Corona-Maßnahmen waren für viele Schüler und Eltern eine große Belastung. Um dabei entstandene Lernlücken und Defizite aufzuholen, hatte die Landesregierung ein Sonderprogramm angekündigt. Nach dem ursprünglichen Plan sollte es bereits in den Ferien starten, das war für viele Schulen aber zu kurzfristig.

Doch auch mehrere Wochen nach Ende der Sommerferien hätten sie immer noch kein Nachhilfeangebot erhalten, beklagt die Schülerinitiative Saarland 2021 in einem offenen Brief an die Landesregierung.

Elternvertretung teilt Kritik

Auch die Eltern wüssten nicht, welche Angebote genau es geben werde, welchen Umfang sie haben sollen und welche Träger oder welches Personal dabei mitwirke, sagt Katja Oltmanns, Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien. Die Schulen seien mit der Organisation alleine gelassen worden. Oltmanns' Befürchtung: Man werde den Nebel des Vergessens darüber ausbreiten.

Ministerium: Alle Schulen haben Partner gefunden

Bedenken wie diese versucht das Bildungsministerium zu entkräften. Inzwischen hätten alle Schulen Partner gefunden, mit denen sie die Angebote umsetzen könnten. Einige hätten bereits mit den zusätzlichen Förder- und Unterstützungsmaßnahmen begonnen, andere würden dies "sehr zeitnah" tun.

Die Angebote reichten von Lernförderung im engeren Sinne über erlebnispädagogische Angebote, Waldpädagogik, musisch-kulturelle Angebote bis hin zu Angeboten mit den Schwerpunkten Sport und Inklusion.

Jede Schule erhalte für das Angebot einen Sockelbetrag von 10.000 Euro und abhängig von Schulform und Schülerzahl weitere Mittel, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Wenn Schulen Hilfe benötigten oder noch Erklärungen nötig seien, würde das Bildungsministerium sie unterstützen.

Beschwerde über Leihgeräte und Lüftungsfilter

Die Beschwerde der Schülerinitiative reicht aber noch weiter. So gebe es auch bei der technischen Ausstattung nach den Sommerferien große Defizite. Leihgeräte, die zum digitalen Lernen während des Lockdowns an bedürftige Schüler ausgegeben wurden, seien vor den Ferien einkassiert und danach nicht wieder ausgegeben worden. Lüftungsanlagen in Klassenräumen zur Eindämmung der Corona-Übertragung seien hauptsächlich an Grundschulen eingeführt worden, nicht an weiterführenden Schulen.

Das Ministerium bestätigt, dass Geräte aus einem Sofortausstattungsprogramm von den Landkreisen wieder eingesammelt wurden. Das sei notwendig gewesen, weil sie gewartet und in die Landesweite Systematische Medienausleihe Saar integriert werden müssten.

Ziel des Saarlandes sei es, nicht nur Hardware zur Verfügung zu stellen, sondern diese auch mit digitalen Inhalten wie Schulbüchern und Lernprogrammen zu verknüpfen. Nach den Herbstferien würden die 6er Klassen der Gemeinschaftsschulen und Gymnasien als Pilotjahrgang mit Tablets und digitalen Schulbüchern sowie auch analogen Bildungsmedien ausgestattet.

Was die Lüftungsgeräte betrifft, dafür habe das Innenministerium ein bedarfsorientiertes Förderprogramm im Umfang von rund vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Als mögliche Begründung, warum die Nachfrage bei den weiterführenden Schulen nach Luftfiltern eher gering ist, nannte der Saarlouiser Landrat Patrik Lauer (SPD) als Vorsitzender des Saarländischen Landkreistages, die Geräte seien "laut und sperrig. Außerdem könnten die Geräte die Fensterlüftung nicht ersetzen.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 02.10.2021.

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