Ein Kind zeichnet ein auf einem Zettel abgebildetes Kreuz ab.  (Foto: picture alliance/dpa | Marcel Kusch)

Kinder brauchen offenbar mehr Förderung

mit Informationen von Julia Berdin   07.07.2021 | 20:12 Uhr

Der Förderbedarf bei Kindern ist im Saarland offenbar gestiegen. Das ist das Ergebnis der Schuleingangsuntersuchungen, die Gesundheitsämter und Landkreise durchführen. Wegen der Pandemie finden die Untersuchungen in diesem Jahr verzögert statt, im Regionalverband wurden bislang bereits Dreiviertel der Kinder untersucht.

Am 30. August beginnt im Saarland das neue Schuljahr. Bevor die Erstklässler in das Schulleben starten können, müssen sie jedoch zu einer Schuleingangsuntersuchung. Diese soll Aufschluss darüber geben, ob das Kind eine spezielle Förderung benötigt.

Mehr Förderbedarf erwartet

Allein im Regionalverband Saarbrücken, dem einwohnerstärksten Landkreis im Saarland, werden in diesem Jahr knapp 3000 Kinder eingeschult. Mehr als 2000 von ihnen wurden bereits untersucht.

Video [aktueller bericht, 07.07.2021, Länge: 3:13 Min.]
Förderbedarf angehender Schulkinder gestiegen

Im vergangenen Jahr habe man bereits einen gesteigerten Förderbedarf von 41 auf 51 Prozent festgestellt, sagt Dr. Ulrike Schiedermaier, Leiterin des Jugendärztlichen Dienstes im Regionalverband Saarbrücken. Die Ergebnisse in diesem Jahr würden zwar noch nicht vorliegen, weil der Untersuchungsjahrgang noch nicht ganz abgeschlossen sei. Aber: "Wir müssen davon ausgehen, dass es dieses Jahr ähnlich sein wird. Die derzeitigen Zahlen liegen sogar noch ein bisschen höher", zieht Schiedermaier ein Zwischenfazit der Untersuchungen.

Fehlende Bewegung als Auslöser

Die Gründe sind vielfältig: Das Kooperationsjahr von Kindergarten und Grundschule fiel wegen der Pandemie aus, es fehlte häufig an Frühförderung und Freizeitaktivitäten. Förderung sei vor allem in Bereichen notwendig, die wenig geübt wurden – zum Beispiel beim Malen, der Motorik und der Körperkoordniation, stellt Schiedermaier fest. Es sei auffällig, dass die Kinder sich weniger bewegt hätten.

"Auch die visuelle Wahrnehmung ist schlechter geworden, das heißt die Kinder saßen offensichtlich mehr vor dem Computer und dem Fernseher", so die Leiterin des Jugendärztlichen Dienstes im Regionalverband. Auch die Sprache spiele eine Rolle. Die ganzen Früh-Kurse zum Deutschlernen seien in diesem Jahr ausgefallen. Viele Kinder seien auch gar nicht im Kindergarten gewesen.

Aufgaben unter anderem zu Motorik und Sprache

Bei der Schuleingangsuntersuchung werden den Kindern Aufgaben rund um Motorik, Hören und Sehen sowie Konzentration und sprachliche Fähigkeiten gestellt. Wie die Übungen genau aussehen, sollen Kinder und Eltern zuvor möglichst nicht genau wissen, damit sie vorher nicht üben können und die Ämter sich ein unverfälschtes Bild von den Fähigkeiten des Kindes machen können.

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Über dieses Thema hat auch der "aktuelle bericht" am 07.07.2021 berichtet.

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