Schüler tragen im Unterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung. (Foto: picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa)

Schüler protestieren gegen Präsenzunterricht

  11.01.2021 | 16:43 Uhr

An einigen Gemeinschaftsschulen im Regionalverband Saarbrücken haben am Montag Abiturientinnen und Abiturienten die Teilnahme am Präsenzunterricht verweigert. Mit ihrem Fernbleiben wollen sie gegen die "grob fahrlässige" Entscheidung protestieren, trotz hoher Infektionszahlen einige Schüler wieder im Klassenraum zu unterrichten.

Laut Bildungsministerium sind die Schülerinnen und Schüler an den Gemeinschaftsschulen Bruchwiese, Bellevue, Ludwigspark und Güdingen am Montag nicht zum wiedereingeführten Präsenzunterricht für Abschlussklassen erschienen. An der Gemeinschaftsschule Saarbrücken-Rastbachtal hätte rund die Hälfte der betroffenen Schüler teilgenommen. Über alle Schulformen hinweg seien die allermeisten Schüler, für die der Präsenzunterricht aufgenommen wurde, zum Unterricht in der Schule erschienen.

Insgesamt gelte seit Montag für 4000 Schüler an Gemeinschaftsschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen Präsenzpflicht. Ab nächsten Montag kämen noch einmal 5750 Schüler hinzu.

"Grob fahrlässig"

Die Schülerinnen und Schüler, die nicht zum Unterricht erschienen sind, fordern Digital- statt Präsenzunterricht bis Ende Januar. Angesichts der hohen Corona-Fallzahlen halten sie es für "grob fahrlässig", über mehrere Stunden gemeinsam in Klassenräumen zu sitzen oder in Bussen zur Schule zu fahren. Sie fürchten, selbst einem zu hohen Infektionsrisiko ausgesetzt zu sein, und in der Folge auch Familienmitglieder zu gefährden.

Es sei ohne weiteres möglich, den Unterricht und damit auch die Abiturvorbereitung digital stattfinden zu lassen, so die Initiatoren des Streiks. Ein weiterer Vorschlag der Schüler: Man könne nur noch für die abiturrelevanten Fächer den Unterricht vor Ort stattfinden lassen, um den Personenkontakt weiter zu minimieren.

Saarlouiser Schülerin startet Petition

Auch aus Saarlouis kommt Gegenwind für den Präsenzunterricht: Eine Schülerin hat sich mit einer Petition an Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot und Ministerpräsident Tobias Hans gewandt, Abstand vom Präsenzunterricht zu nehmen. Diese Forderung wurde bisher von mehr als 3400 Menschen unterschrieben.

Unterstützung bekommen die Schüler unter anderem auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die angesichts der hohen 7-Tage-Inzidenz im Saarland der Landesregierung ebenfalls grobe Fahrlässigkeit vorwirft. Auch die Grünen im Regionalverband halten eine Rückkehr der Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen ohne Anpassungen im Hygienekonzept für "völlig verantwortungslos". Präsenzunterricht dürfe nur dann stattfinden, wenn Mindestabstände eingehalten und FFP2-Masken angeboten würden, sagte Grünen-Fraktionschef Patrick Ginsbach. Die Linke forderte von der Landesregierung, die Voraussetzungen für einen Online-Präsenz-Wechsel-Unterricht und eine gleichberechtigte Teilhabe aller am Online-Unterricht zu schaffen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 11.01.2020 berichtet.

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