Notruf 112 (Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-Bildfunk)

Smartphones leiten künftig Standortdaten an Retter

Axel Wagner / mit Informationen von dpa   13.10.2019 | 08:30 Uhr

Wer vom Smartphone aus in Deutschland den Notruf 112 wählt, überträgt künftig auch genaue Standortinformationen an die Rettungsleitstellen. Darauf haben sich die drei großen Mobilfunkbetreiber und Google geeinigt. Die Leitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg will die Technik bis Ende des Jahres in Betrieb nehmen.

In einer Kooperation von Deutscher Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und Google wird künftig bei Notrufen aus dem Mobilfunknetz der genaue Unglücksort bei Anrufen automatisch an die Rettungsleitstelle ermittelt, und das bis auf wenige Meter genau. „Advanced Mobile Location“ (AML) heißt das System. Insbesondere in Situationen, in denen Hilfesuchende den Notfallort nicht genau beschreiben können, soll die neue Technik wertvolle Zeit sparen.

Vorbereitungen in Saarbrücken laufen

Betrieben wird AML in Deutschland von der Integrierten Leitstelle Freiburg-Breisgau Hochschwarzwald in Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr für alle 250 Leitstellen in Deutschland. Derzeit sind rund ein Drittel davon an das System angebunden.

Auf dem Winterberg in Saarbrücken laufen die letzten Vorbereitungen dafür. „Wir haben zwischenzeitlich die organisatorischen Vorarbeiten erledigt“, sagte der Pressebeauftragte des Rettungszweckverbandes, Lukas Hoor, dem SR. „Allerdings müssen wir noch auf die Lieferung von diversen Hardwarekomponenten warten.“ Man rechne noch dieses Jahr mit einem Anschluss an das neue System. Die Investitionskosten dafür, rund 20.000 Euro, trägt der Rettungszweckverband, das Innenministerium beteiligt sich.

Keine eigene App nötig

Der neue Notruf-Standortdienst benötigt keine eigene App, er ist fest in das Betriebssystem des Smartphones installiert. Zurzeit unterstützen nur Handys mit dem Google-Betriebssystem Android ab Version 4.0 den AML-Dienst – Google nennt ihn „Emergency Location Services“ (ELS). Beim iPhone von Apple ist AML zwar eigentlich schon seit der iOS-Version 11.3 eingebaut. Anders als zum Beispiel in Irland oder Großbritannien ist das deutsche AML-System aber noch nicht freigeschaltet. Experten gehen jedoch davon aus, dass Apple hier in Kürze nachzieht.

Die Standortdaten werden beim neuen System nach Angaben der Provider nur dann übermittelt, wenn der Nutzer den Notruf 112 wählt. In den Leitstellen würden die Informationen eine Stunde nach dem Notruf unwiederbringlich gelöscht. Dann stünden sie nur noch der eigentlich zuständigen Leitstelle zur Verfügung.

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