Das geschmolzene Gerüst auf dem Dach der Pariser Kathedrale Notre-Dame (Foto: picture alliance/dpa/afp/Martin Bureau)

Ideen von Saar-Studenten für Notre-Dame-Wiederaufbau

Mit Informationen von Herbert Mangold   20.02.2021 | 09:05 Uhr

Bei der Restaurierung der bei einem Großbrand vor knapp zwei Jahren schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame könnten auch die Ideen zweier angehender Bauingenieure aus dem Saarland zum Einsatz kommen. An der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW Saar) haben sie jetzt ihre Vorschläge präsentiert.

Im April 2019 war in der berühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame ein Feuer ausgebrochen, das schwere Schäden anrichtete. Die Rekonstruktion des Wahrzeichens – eine Jahrhundertaufgabe. Fast zwei Jahre später haben nun Masterstudenten des Bauingenieurswesens an der HTW Saar ihre Präsentation zum Wideraufbau im Rahmen des Projekts „Restaurons Notre-Dame“ vorgestellt.

Video [aktueller bericht, 18.02.2021, Länge: 3:32 Min.]
Studierende der HTW Saarbrücken helfen bei Restaurierung der Notre Dame

Herausforderung Kirchendach

Natalie Braun beschäftigt sich mit der Frage, ob eine Dämmung des Kirchendaches sinnvoll ist. „Ich hatte das nicht gedacht“, zeigt sie sich immer noch überrascht über die Möglichkeit. „Ich hätte mir das auch nicht vorstellen können, eine Masterthesis über solch ein Projekt zu schreiben.“

Tim Friedrich hat darüber geforscht, wie das Dach der Pariser Kirche möglichst stabil wiederaufgebaut werden kann. „Es ist ein großartiges Gefühl, bei solch einem großen Projekt dabei sein zu dürfen – vor allem, weil es international ist, besonders der Austausch mit Frankreich.“

Langjährige Kontakte nach Frankreich

Ausschlaggebend für die Masterarbeiten der angehenden Bauingenieure waren die langjährigen Frankreichkontakte des Fachbereichs Bauingenieurswesen der HTW. „Wir arbeiten schon sehr lange Zeit mit der Architekturhochschule in Nancy und der Holzbauhochschule zusammen“, erklärt Professor Klaus-Dieter Köehler. „Wir machten über Jahre hinweg ein gemeinsames Seminar namens défis du bois (dt. Herausforderungen des Holzes). Da haben sich Kontakte aufgebaut, und diese haben letztlich dazu geführt, dass wir angefragt wurden.“

Professor Gudrin Djouahra verweist auch auf die Forschungen der HTW zu Innenraumklimata im Bauphysiklabor. Dabei werde zum Beispiel auch die Schlosskirche untersucht. „Dort messen wir das Innenraumklima, und dort geht es um den Schutz des Holzes in der Orgel.“

Holzkonstruktion im Klimawandel

Beim Notre-Dame-de-Paris-Masterprojekt untersucht Tim Friedrich die Holzkonstruktion des Daches. Über 850 Jahre hat der Dachstuhl der Kirche gehalten. Damit der Neuaufbau ähnliche Zeiträume übersteht, müssen neue Fragen beantwortet werden, etwa ob und wie sich die Windkraft durch den Klimawandel verändert. „Dann haben wir geschaut, wie wir die Holzfläche erhöhen müssen, damit eine höhere Windlast von dem Dach abgeleitet beziehungsweise getragen werden kann, falls dies einmal Thema wird.“

Wenn bei einem Altbau ein Dach saniert wird, stellt sich oft die Frage nach einer Dämmung. Natalie Braun kann das bei dem Pariser Wahrzeichen wegen der Holzkonstruktion nicht empfehlen. „Zu trockenes Klima ist schlecht für das Holz, weil dann Risse entstehen können“, erklärt sie. „Eine zu hohe Feuchtigkeit ist auch wieder schlecht, weil das Wachstum von Pilzen und Schimmel begünstigt wird. Der Bereich, bei dem das Holz bei einer gedämmten Variante schwankt, ist viel größer als bei einer nicht gedämmten Variante.“

Nun prüfen Fachleute aus Paris die Forschungsergebnisse der beiden angehenden Bauingenieure aus dem Saarland. Für den Lehrstuhl hier ist das eine einmalige Gelegenheit, an einem Jahrhundertprojekt mitzuwirken.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 18.02.2021 berichtet.

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