Raucher (Foto: Pixabay / Kruscha)

Mit dem Rauchen aufhören: Herz gegen Kopf

Felicitas Fehrer   31.05.2018 | 08:52 Uhr

Etwa 20 Prozent der Saarländer rauchen regelmäßig. Und das, obwohl ihnen durchaus bewusst ist, welches Gesundheitsrisiko sie damit eingehen. Die Schock-Bilder auf den Zigarettenschachteln ändern an diesem Verhalten meist genauso wenig wie die alarmierenden Todesfallzahlen durch Tabakkonsum.

Rund 35.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr durch Tabakkonsum. Das ist kein Geheimnis. Allein im Saarland rauchen rund 200.000 Menschen regelmäßig. Das sind mehr als Saarbrücken Einwohner hat.

Auch wenn die Zahlen seit 2005 um etwa 2,4 Prozent zurückgegangen sind, handelt es sich nach wie vor um einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Betrachtet man die ganze Welt, wird das Ausmaß umso deutlicher: Ein Viertel aller Männer weltweit raucht täglich.

Großes vermeidbares Gesundheitsrisiko

Dabei ist Tabakkonsum einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen, wie das Gesundheitsministerium des Saarlandes mitteilt.

„Rauchen ist eines der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken", sagt der Drogenbeauftragte der Landesregierung, Staatssekretär Stephan Kolling. "Die daraus resultierenden Gesundheitsgefahren sind zweifelsfrei nachgewiesen." Mit jeder Zigarette steige das Risiko für Lungen-, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Auch um Mundgesundheit und Leistungsfähigkeit sei es bei Rauchern schlechter bestellt.

Thomas Wilhelm aus Püttlingen ist Heilpraktiker für Psychotherapie. (Foto: SR)
Thomas Wilhelm aus Püttlingen ist Heilpraktiker für Psychotherapie.

Warum also sind Zigaretten immer noch bei so vielen beliebt? "Zuerst einmal, weil es sich hier um eine Sucht handelt", sagt Thomas Wilhelm, Heilpraktiker für Psychotherapie. "Beim Konsum von Zigaretten wird der Botenstoff Dopamin im Gehirn freigesetzt. Der gibt uns ein gutes Gefühl. Und irgendwann schreit das Gehirn regelmäßig danach."

Vernunft aus, Gefühle an

Wenn man eine Zigarette "inhaliert", gelangen die Botenstoffe laut Wilhelm innerhalb von sieben Sekunden ins Gehirn. Dort docken sie an das Gefühlszentrum an. Und das bringt Menschen dazu, entgegen ihres Verstandes und stattdessen entsprechend ihrer Gefühle zu handeln. Ein Phänomen, das vielen bekannt vorkommen dürfte.

Rauchentwöhnung: Oft ein Kampf zwischen Verstand und Gefühl (Foto: Pixabay/PublicDomainPictures)
Rauchentwöhnung: Oft ein Kampf zwischen Verstand und Gefühl

Der Fachbegriff hierfür lautet "Kognitive Dissonanz". "Auf der einen Seite hat man das positive Gefühl, das die Zigarette in einem auslöst, wie Entspannung. Und auf der anderen Seite hat man die Schockbilder auf den Zigarettenschachteln und den Arzt, der einem dringend dazu rät, mit dem Rauchen aufzuhören", sagt Wilhelm.

Da sind also zwei Dinge, die im Kopf eines Rauchers eine Berechtigung haben. Und die passen nicht zusammen, deswegen muss man sich für eine entscheiden. "Oft relativiert das Gehirn daraufhin automatisch die Gefährlichkeiten des Rauchens. Mit Gedanken wie: 'Mein Vater war auch Raucher und hat keinen Lungenkrebs bekommen.'" Auch beliebt: Das Suchen von Gegenargumenten wie 'Wenn ich aufhöre, nehme ich bestimmt zu'.

"Oftmals werden die negativen Auswirkungen sogar komplett verdrängt. Denn darin ist der Mensch Weltmeister, und das nicht ohne Grund. Denn Verdrängung kann im Leben oft hilfreich sein, zum Beispiel bei der Verarbeitung von negativen Erlebnissen", sagt Wilhelm.

Der Mensch - ein Gewohnheitstier

Ein weiterer Grund, der es vielen Rauchern schwer macht, aufzuhören, ist die Macht der Gewohnheit. "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier durch und durch", sagt Wilhelm. "Deswegen fällt es uns oft schwer, diese Gewohnheiten abzulegen." Der Therapeut empfiehlt, sich Alternativen zu suchen und den eigenen Tagesablauf zu ändern. Das könnte ein erster Schritt in Richtung Rauchentwöhnung sein. "Statt der Zigarette einfach mal ein kalorienfreies Lutschbonbon nehmen - funktioniert auch."

Eine weitere effektive Methode kann auch das sogenannte autogene Training sein, ein spezielles Entstpannungsverfahren. Das kann man online oder in Kursen erlernen. "In Momenten, in denen das Suchtverhalten auftritt, kann man sich dadurch in den Zustand der Tiefenentspannung versetzen", erklärt der Psychologe. Dabei helfen innere Sätze, die man sich immer wieder sagt, wie zum Beispiel 'Ich bin entspannt, ohne zu rauchen'. "Das funktioniert natürlich nicht bei jedem. Hier spielen auch wieder genetische Veranlagungen mit ein", sagt Wilhelm.

Wie schnell man von Zigaretten tatsächlich abhängig wird, das ist vor allem genetisch veranlagt. "Es gibt sogenannte Suchtpersönlichkeiten, die für Drogen empfänglicher sind als andere", sagt Wilhelm.

Hintergrund

Seit 1987 findet jährlich am 31. Mai der Welt-Nichtrauchertag der Weltgesundheitsorganisation WHO statt, um auf den weltweiten Tabakkonsum und die dadurch verursachten Todes- und Krankheitsfälle aufmerksam zu machen. In diesem Jahr stehen Herzkrankheiten im Fokus.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 31.05.2018 berichtet.

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