Eine leitende Spezialistin im Labor für Infektionskrankheiten der US-Firma Regeron, arbeitet an einer Zellkultur in einer mikrobiologischen Werkbank. (Foto: picture alliance/dpa/Regeneron Pharmaceuticals Inc)

Uniklinik setzt Antikörper-Medikamente gegen Corona ein

mit Informationen von Steffani Balle   25.01.2021 | 14:48 Uhr

Die Bundesregierung hat für die Behandlung von Coronapatienten 200.000 Dosen Antikörper-Medikamente gekauft. Das Medikament der US-Firma Regeneron soll künftig auch im Saarland eingesetzt werden. Welche Patienten damit behandelt werden, ist derzeit noch unklar.

Die Antikörper-Medikamente sollen zunächst in Unikliniken eingesetzt werden. Anfang Februar erwarte man eine Lieferung des von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zugesagten Kontingents, teilte der Virologe an der Homburger Uniklink Dr. Jürgen Rissland auf SR-Anfrage mit. Viele Fragen seien allerdings offen. So sei noch ungeklärt, welchen Patienten das Antikörper-Mittel gegeben werden darf und welchen nicht. Auch der Zeitpunkt der Verabreichung im Krankheitsverlauf ist nach Risslands Worten noch nicht genau definiert.

Jürgen Rissland im Interview zur aktuellen Corona-Lage
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 25.01.2021, Länge: 02:40 Min.]
Jürgen Rissland im Interview zur aktuellen Corona-Lage

Grundsätzlich begrüßt der Virologe, dass ein Antikörper-Medikament eingesetzt werden soll. Allerdings kritisiert er, dass jetzt 200.000 Dosen eines amerikanischen Medikaments mit Notfallzulassung gegeben werden sollen, während sich ein ganzes Netzwerk an deutschen Wissenschaftlern bereits in der Testphase eigener, vergleichbarer Medikamente befindet.

Medikament kein Heilsbringer

Auch an der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf soll das Medikament zum Einsatz kommen. Dort sollen zunächst vor allem Patienten mit milden Symptomen, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf haben, behandelt werden. Die Leiterin der Infektiologie der Klinik, Marylyn Addo, warnte davor, zu hohe Hoffnungen in die neuen Antikörpertherapien zu setzen. In der Experten-Gemeinschaft gehe keiner davon aus, dass das das Medikament sei, dass in der Pandemie jetzt den Schalter umlege, dass der Heilsbringer oder das heilbringende Medikament sei, sagte Addo in den ARD-Tagesthemen.

Am Wochenende hatte Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, dass in Deutschland ab der kommenden Woche Antikörper-Medikamente eingesetzt werden, um schwere Coronaverläufe zu verhindern. Spahn bestätigte dem ARD-Hauptstadtstudio den Kauf von 200.000 Dosen. Die Kosten dafür liegen bei rund 400 Millionen Euro. Das Medikament des amerikanischen Herstellers Regeneron wirkt wie eine passive Impfung. Die fertigen Antikörper des Mittels greifen Coronaviren an, die sich bereits im Körper befinden und machen sie unschädlich.

tagesschau.de
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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 25.01.2021 berichtet.

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