Die App "Orte der Erinnerung" bietet einen Rundgang um das ehemalige Gestapo Lager Neue Bremm (Foto: SR/Jana Bohlmann)

Virtueller Rundgang auf dem ehemaligen Gestapo Lager Neue Bremm

Jana Bohlmann   21.07.2022 | 15:18 Uhr

Auf dem Gelände der Gedenkstätte Gestapo Lager Neue Bremm in Saarbrücken wurde am Donnerstag ein neuer virtueller Rundgang für Besucherinnen und Besucher vorgestellt. An elf Stationen wird dort mit Texten, Fotos und Audios an die Geschichte des Lagers erinnert.

Das ehemalige Gestapo Lager Neue Bremm liegt direkt an der viel befahrenen Metzer Straße am Saarbrücker Stadtrand. Den ganzen Tag über brettern hier schwerbeladene Lkw und Autos vorbei. Dass hinter der grauen Betonmauer mit der blauen Aufschrift eine Gedenkstätte liegt, mag man kaum meinen.

Ein Ort der Stille ist diese Gedenkstätte definitiv nicht, obwohl die Geschichte eigentlich genau das verlangt. Denn in dem Lager wurden in den Jahren 1943 bis 1944 hunderte Frauen und Männer eingesperrt, gefoltert und zum Teil auch getötet.

Sechs Studentinnen entwickeln Rundgang

Damit diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, haben sechs Studentinnen in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendring, der Initiative Neue Bremm und dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien einen digitalen Rundgang über das Gelände erarbeitet. Ihr Ziel dabei: „Lernen, was an diesem Ort, wirklich passiert ist.“

Michele Zimmer ist eine der sechs Studentinnen und legt den Fokus des Projekts vor allem auf das Erinnern: „Das hier ist ein Ort der Erinnerung und nicht ein Ort des Vergessens. Man fährt hier vorbei und sieht eine Mauer, auf der "Hostel" und "Hotel" drauf steht und man könnte ja denken, dass das hier zum Hotel nebenan gehört, aber es hat einen ganz anderen Hintergrund.“

Mit dem Rundgang hofft sie, Menschen erreichen zu können, die sich noch nicht mit der Geschichte des Lagers auseinandergesetzt haben. „Ich wünsche mir, dass man sich hier ein bisschen bewusster machen kann, was früher passiert ist, denn ohne Geschichte gibt es auch keine Zukunft“, sagt die 22-Jährige.

Die App "Orte der Erinnerung" bietet einen virtuellen Rundgang durch das ehemalige Gestapo Lager Neue Bremm (Foto: SR/Jana Bohlmann)
Die App "Orte der Erinnerung" bietet einen virtuellen Rundgang durch das ehemalige Gestapo Lager Neue Bremm

Geschichte interaktiv erzählt

Der Rundgang beginnt an der Straße direkt vor der Gedenkstätte. In der App startet man über einen blauen Button die Tour. Damit beginnt die Zeitreise durch die Geschichte der damaligen „Hölle von Saarbrücken“. In der App selbst kann man sich immer wieder anzeigen lassen, an welcher Station man sich genau befindet und dort dann auch Audios anhören, kurze Infotexte lesen und historische Fotos und Dokumente anschauen.

Gekennzeichnet sind viele der Stationen allerdings nicht, was das Orientieren teilweise etwas erschwert. Um zu wissen, wo man sich befindet, muss man sich einzig und allein an der App orientieren, die mittels Push-Mitteilung immer Auskunft über den eigenen Standort gibt.

Wie die Menschen im Lager gelebt haben

Nach einer kurzen Einführung an Station eins geht es weiter zu Station zwei, an der die heutige Gedenkstätte mit dem damaligen tatsächlichen Areal abgeglichen wird. Besonders viel ist heute nämlich nicht mehr übrig. Auf dem ehemaligen Gelände des Frauenlagers steht mittlerweile ein Hotel.

Im weiteren Verlauf der Tour erfährt man viel darüber, wie die Menschen im Lager gelebt haben, was sie zu essen bekommen haben, wie sie misshandelt, gefoltert und teilweise auch getötet wurden.

Video [aktueller bericht, 21.07.2022, Länge: 3:03 Min.]
Ein virtueller Rundgang gegen das Vergessen

Eine Station macht die Täter sichtbar

Auch die Täter werden in der App an Station sieben genau benannt. Hier wird immer wieder die Frage gestellt: „Wie konnte so etwas geschehen?“ Und: „Was waren das für Menschen, die zu solchen grausamen Taten in der Lage waren?“

Ein Rundgang im eigenen Tempo

Wer den kompletten Rundgang macht, bekommt auf jeden Fall ein sehr umfassendes Bild von dem ehemaligen Gestapo Lager.

Weil an einigen Stationen auch sehr grausame Taten ans Licht kommen, haben sich die Studentinnen bei der Entwicklung des virtuellen Rundgangs folgendes überlegt: „Man kann auch Stationen überspringen, wenn es jemandem inhaltlich einfach zu heftig wird. Das war uns ganz wichtig“, sagt Lena Sauer, die an der Entwicklung der Stationen beteiligt war.

Den Rundgang kann man also ganz in Ruhe begehen und auch mal innehalten, wenn es zu viel wird.

Eine App gegen das Vergessen
Audio [SR 3, Jana Bohlmann, 21.07.2022, Länge: 02:56 Min.]
Eine App gegen das Vergessen

Interaktives Quiz

Und dann gibt es noch eine Besonderheit: Schülerinnen und Schüler einer achten Klasse der Mühlbachschule in Schiffweiler haben ein interaktives Quiz entwickelt, welches auch als Teil der Tour angewendet werden kann, aber nicht muss. Für jede Station haben sich die Schüler eine Frage überlegt, die man beantworten kann.

Damit soll auch das Interesse von jungen Menschen für die Geschichte des Lagers geweckt werden. „Wir hoffen, dass mit unserem Quiz viele Leute mehr über die Geschichte lernen und was an diesem grausamen Ort eigentlich passiert ist“, erklärt Schülerin Angelina Fries. Deswegen war ihr und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern die Arbeit an dem Quiz so wichtig.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 21.07.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja