Eine Person wird am Knie behandelt. (Foto: IMAGO / UIG)

Neues Verfahren lindert Schmerzen bei Kniearthrose

mit Informationen von Steffi Schlutter   21.07.2022 | 20:05 Uhr

Menschen, die an Arthrose erkrankt sind, haben oft mit Schmerzen zu kämpfen. Um diese zu lindern, setzt die Uniklinik in Homburg nun auf eine neue Behandlungsmethode. Sie kommt derzeit bei Kniearthrosen zum Einsatz.

Rund 180.000 Saarländerinnen und Saarländer leiden unter Arthrose. Die Krankheit ist nicht heilbar, viele der Patienten haben ständig Schmerzen.

Der letzte Ausweg ist oft eine Operation zum Beispiel der Einsatz eines künstlichen Gelenks. An der Uniklinik Homburg wird jetzt aber eine neue Behandlungsmethode bei Kniearthrose angeboten, mit der die Schmerzen zumindest zeitweise ausgeschaltet werden können. Dadurch kann eine OP hinausgezögert werden.

Schmerzreiz wird ausgeschaltet

Für die sogenannte Embolisation arbeiten in Homburg Orthopädie und Radiologie eng zusammen. Die Radiologen versuchen, den Schmerzreiz, der im Entzündungsherd rund um die Arthrose entsteht, auszuschalten – und zwar, indem überschüssige Blutgefäße versiegelt werden. Das funktioniert prinzipiell sowohl vor einer Operation als auch dann, wenn bereits ein künstliches Kniegelenk implantiert wurde.

"Durch den Verschluss der kleinsten Gefäße wollen wir erreichen, dass Gefäße, die durch einen Entzündungsprozess neu gebildet worden sind, nicht mehr dazu beitragen können, die Entzündung aufrecht zu erhalten", erklärt Professor Arno Bücker, Leiter der Radiologie der Uniklinik Homburg.

Minimalinvasives Verfahren

Für die Embolisation wird ein Katheder – geführt von einem hauchdünnen Draht – über die Leiste bis ins Knie vorgeschoben. 0,1mm große Kügelchen werden dann in die Gefäße gespritzt. Der ganze Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung.

Das Verfahren sei minimalinvasiv, so Bücker. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Komplikationen gebe, sei extrem gering. "Man kann es theoretisch beliebig oft wiederholen und man verbaut keine andere Therapie-Option."

Video [aktueller bericht, 21.07.2022, Länge: 3:36 Min.]
Neues Schmerzlinderungsverfahren bei Knie-Arthrose

Ausweg aus Teufelskreis

Die Orthopäden entscheiden, für welche Arthrose-Patienten dieses Verfahren infrage kommt. Wer etwa trotz implantiertem künstlichen Gelenk weiter an Schmerzen leidet, könnte von einer Embolisation profitieren und wieder Lebensqualität zurückgewinnen.

Durch den Eingriff könne der Teufelskreis aus Schonhaltung, verminderter Beweglichkeit des Gelenks, veränderter Belastung des Gelenks, unphysiologischer Belastung der Gelenk-Oberflächen und vermehrtem Knorpelverlust unterbrochen werden, erläutert Professor Patrick Orth von der Orthopädie der Uniklinik Homburg.

Bis zu einem Jahr Schmerzfreiheit

Die Ärzte machen deutlich: Der Eingriff geht nicht an die Ursache der Arthrose, kann diese also auch nicht stoppen. "Es hält die Arthrose in ihrem Fortschreiten nicht auf, aber es dient dazu, die Symptome, nämlich die Schmerzen zu lindern"; so Orth.

Einige Patienten blieben bis zu einem Jahr schmerzfrei. Die Ärzte erwägen bereits, das Verfahren auch bei anderen Beschwerden einzusetzen – etwa in Hüfte oder Schulter.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 21.07.2022 im SR Fernsehen berichtet.

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