Prof. Dr. Peter Szurman und Team beim Einsetzen des Pixium-Netzhautchips (Foto: Augenklinik Sulzbach/Ralph Loop)

Augenklinik Sulzbach verpflanzt erstmals Netzhaut-Chip

  01.11.2021 | 08:45 Uhr

Als erste Klinik in Deutschland hat die Augenklinik am Knappschaftsklinikum in Sulzbach einen neuartigen Netzhautchip eingesetzt. Er soll Menschen mit altersabhängiger Makuladegeneration einen Teil ihrer Sehkraft zurückgeben können.

„Prisma“ heißt das neue Netzhaut-Implantat des französischen Herstellers Pixium Vision, das jetzt zum ersten Mal in Deutschland bei zwei Patienten implantiert wurde, von Ärzten der Augenklinik am Knappschaftsklinikum Sulzbach. Wie das Klinikum mitteilte, gehören beide Operationen zur europäischen „PRIMAvera“-Zulassungsstudie für den Netzhautchip, der für reguläre Patienten noch nicht zur Verfügung steht.

Hauptursache schwerer Sehbehinderungen

Der Chip soll Patienten mit altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) einen Teil ihrer Sehkraft zurückgeben. Die trockene AMD ist die Hauptursache schwerer Sehbehinderungen bei Menschen über 60 Jahren in der westlichen Welt. Gleichzeitig ist sie die häufigste Ursache für Erblindung.

Bei der trockenen AMD gehen Sehzellen zugrunde, die scharfes und farbiges Sehen in der Makula, der Mitte der Netzhaut, vermitteln. Über eine Million Menschen sind hierzulande davon betroffen. Bisher gibt es dafür noch keine Therapie. Hier soll jedoch der neue Chip ansetzen.

Spezialbrille übermittelt Signale

Der Chip wird unter der Netzhaut im Bereich der Makula implantiert. Er übernimmt die Funktion der abgestorbenen Sehzellen (Photorezeptoren). Von einer Spezialbrille mit eingebauter Mikrokamera, die der Patient trägt, erhält der Chip per Infrarotprojektion Bildsignale und Energie. Mit elektrischen Impulsen stimuliert er die verbliebenen Nervenzellen der Netzhaut und überträgt so die Bildinformation auf den Sehnerv.

Der Chip ist zwei mal zwei Millimeter groß, was auf der Netzhaut einem Sehwinkel von sieben Grad entspricht. Die Auflösung umfasst 378 Pixel. Die Ärzte rechnen damit, dass dies bis hin zu einer Lesefähigkeit mittelgroßer Buchstaben reichen könnte.

Chefarzt Prof. Peter Szurman, der beide Operationen durchgeführt hat, sieht in dem Netzhaut-Implantat eine echte Innovation für AMD-Patienten. „Erstmals haben wir die Hoffnung, mit diesem bionischen Chip die zentrale Sehschärfe zu verbessern und den Betroffenen somit ein unabhängigeres Leben zu ermöglichen.“

Größtes Zentrum für Netzhautchirurgie

Die Augenklinik in Sulzbach ist nach eigenen Angaben mit mehr als 2200 großen Netzhaut-Glaskörper-Operationen pro Jahr Deutschlands größtes Zentrum für Netzhautchirurgie. Außerdem läuft dort ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer stammzellbasierten AMD-Therapie mit mehreren hundert Teilnehmern.

Neben Sulzbach nehmen noch fünf weitere deutsche Zentren in Bonn, Hamburg, München, Ludwigshafen und Tübingen an der Zulassungsstudie teil. Insgesamt sollen 38 Patienten teilnehmen und nach der OP drei Jahre lang beobachtet werden.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja