Mutter und Kind mit Welpe. (Foto: picture alliance / Westend61 | Daniel Ingold)

Nachfrage nach Hunden steigt in der Corona-Pandemie

Melina Miller   27.01.2021 | 08:45 Uhr

Bewegung an der frischen Luft und jederzeit einen treuen Freund trotz Kontaktbeschränkungen - Gründe, sich einen Hund anzuschaffen, gibt es viele. Besonders inmitten einer Pandemie. Im Jahr 2020 haben sich nach Angaben des Verbands für das Deutsche Hundewesen deshalb mehr Menschen als sonst einen Hund angeschafft.

"Die Nachfrage nach Welpen ist enorm", sagt Udo Kopernik, Pressesprecher des Vebands für das Deutsche Hundewesen (VDH). "Die Züchter kommen nicht mehr hinterher, oft sind schon vier oder fünf Würfe im Voraus reserviert." Diese bundesweite Entwicklung lasse sich auch im Saarland feststellen, sagt die Vorsitzende des VDH-Landesverbandes Saar, Isolde Heydt-Busch.

Rund dreimal so viele Hundeanfragen wie normalerweise habe der Verband im Corona-Jahr 2020 festgestellt. Viele Züchter würden ihre Welpen deshalb gar nicht mehr annoncieren, da sie teilweise schon Jahre im Voraus ausgebucht seien, erklärt Heydt-Busch.

Keine zentrale Registrierungspflicht

Auch bei der Tierschutzorganisation Tasso, die eines der größten kostenlosen Haustierregister in Europa betreibt, wurden 2020 bundesweit deutlich mehr Hunde registriert als noch 2019. Im Juni 2020 waren es demnach beispielsweise mit rund 39.000 Neuregistrierungen knapp 25 Prozent mehr Neuzugänge als im Vorjahresmonat.

Allerdings bilde diese Statistik nur einen Teil der in Deutschland vermittelten oder gekauften Hunde ab, erklärt Kopernik. Denn eine generelle, zentrale Registrierungspflicht gibt es in Deutschland nicht - anders als in vielen anderen EU-Mitgliedsstaaten wie zum Beispiel in Frankreich.

Warnung vor illegalem Welpenkauf

Der VDH sieht in dem aktuellen Hunde-Boom verschiedene Gefahren: Zum Einen würden Menschen mit Hundewunsch momentan vermehrt auf die sogenannte Schwarzzucht ausweichen, weil Züchter kaum mehr Nachwuchs "liefern" können. Dort sei aber der Tier- und Rassenschutz häufig nicht in dem Maße gegeben wie bei eingetragenen Züchtern, meint Heydt-Busch.

Außerdem würden vermehrt illegal nach Deutschland transportierte Welpen im Internet angeboten. Viele dieser Welpen würden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt und nach Deutschland gebracht. Von der Polizei beschlagnahmte Tiere landen vorerst im Tierheim. "Hier sehen wir im Januar 2021 einen starken Anstieg in den Heimen", ergänzt Kopernik.

Entscheidung verlangt Weitblick

Außerdem warnt der VDH vor unüberlegten Anschaffungen, etwa weil man sich in der Pandemie einsam fühle. "Es ist wichtig, dass sich die Menschen auch überlegen, wie es nach Corona weitergehen soll", sagt Kopernik.

Denn auch wenn momentan durch Homeoffice, Kurzarbeit oder ausgefallene Urlaubsreisen mehr Zeit für ein Haustier zur Verfügung stehe, die Anschaffung eines Hundes müsse langfristig gut überlegt sein. Auch in Anbetracht der Kosten, die zum Beispiel durch Tierarztbesuche entstehen können. Außerdem müsse die ausgewählte Rasse zu den Lebensbedingungen passen - auch nach dem Lockdown.

Bedachte Vermittlung wichtig

Aus diesem Grund sei eine bedachte Vermittlung von Hunden besonders wichtig, sagt Frederick Guldner, Sprecher des Saarbrücker Bertha Bruch Tierheims. Da das Tierheim in der Pandemie für Besucher geschlossen habe, habe man sich mehr Zeit für einzelne Vermittlungen und Beratungen nehmen können. Und diese wären coronabedingt auch mehr nachgefragt worden.

"Bei den Vermittlungen haben wir immer darauf geachtet, dass es sich hierbei nicht um 'Pandemiehunde' handelt", so Guldner. Das heißt, man habe bewusst zu vermeiden versucht, dass sich Menschen einzig aus Langeweile ein Tier zulegen würden, das dann möglicherweise nach der Pandemie wieder im Heim lande. "Wir hoffen natürlich, dass neben uns auch andere Vereine oder Züchter entsprechend bedacht vermittelt haben und es nicht zu einer Flut an Abgabetieren kommt", ergänzt er.

Tierheime prüfen Arbeitszeiten

Auch Peter Kaiser, Vorsitzender des Tierschutzvereins Untere Saar, sagt: "Unsere Vermittlungsbedingungen sind immer noch dieselben. Wir prüfen, wie die normalen Arbeitszeiten ohne Corona wären." Nach diesen Kriterien werde ein Hund dann vermittelt.

Allerdings befürchtet er, dass nach der Pandemie vermehrt Tiere wieder abgegeben werden, die nicht auf diese Weise vermittelt, sondern beim Züchter oder in einem Zoogeschäft gekauft wurden. Das betreffe dann zum Beispiel auch Kleintiere oder Katzen.

Problem auch außerhalb der Pandemie

Raimund Rein, Vorsitzender des Tierschutzvereins Ottweiler, warnt generell davor, sich unüberlegt einen Hund anzuschaffen. Das sei auch außerhalb der Pandemie ein großes Problem, das immer wieder dazu führe, dass Tiere wieder abgegeben würden - zum Bespiel, weil die Entscheidung zu schnell oder zu kurzfristig gedacht ausgefallen sei.

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