Der Hauptangeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Gericht lässt Tonaufzeichnung der Schüsse untersuchen

  19.07.2022 | 20:51 Uhr

Im Mordprozess um zwei getötete Polizisten nahe Kusel haben am Dienstag Zeugen zu Schüssen und letzten Funksprüchen in der Tatnacht ausgesagt. Zu den elf Geladenen zählten auch ehemalige Lehrer und Klassenkameraden des Hauptangeklagten sowie weitere Jäger und Bekannte von ihm.

Der Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf zwei junge Polizisten nahe Kusel ist am Dienstag fortgesetzt worden. Am neunten Prozesstag haben Zeugen zu Schüssen und letzten Funksprüchen in der Tatnacht ausgesagt.

Im voll besetzten Saal im Landgericht Kaiserslautern wiederholte der Hauptangeklagte Andreas S. seine Version, derzufolge er bei der nächtlichen Fahrzeugkontrolle Ende Januar lediglich in einer Art Notwehrsituation geschossen habe.

Kannte S. den Vater des Polizisten?

Zudem behauptete er, den Vater des getöteten 29-jährigen Polizeioberkommissars mutmaßlich gekannt und mit ihm Streit gehabt zu haben. Dieser Mann soll demnach ebenfalls Jäger sein. Bei dem Streit mit S. soll es, so die Aussage des Hauptangeklagten um die Art und Weise gegangen sein, wie S. das Wild zur Strecke bringt. Ob es sich tatsächlich um den Vater des 29-Jährigen handelt, könne er jedoch nur vermuten, so S. weiter.

Im Verlauf des Prozesses sagte auch ein Kriminaltechniker aus. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der Polizist bereits am Boden lag, als ihn der zweite Schuss aus dem Gewehr traf. Danach, so der Zeuge, sei noch der finale Kopfschuss erfolgt.

Tonaufzeichnung der Schüsse werden untersucht

Das Gericht beschloss in diesem Zusammenhang, die Tonaufzeichnung der Schüsse an das Landeskriminalamt Baden-Württemberg zu geben. "Die hören sich an, wie, wo, was ist - und die können sagen, ob das plausibel ist oder nicht", sagte Richter Raphael Mall am Dienstag.

Zu den Geladenen zählten auch ehemalige Lehrer und Klassenkameraden des Hauptangeklagten sowie weitere Jäger und Bekannte von ihm, sagte eine Gerichtssprecherin. Auch ehemalige Mitarbeiter des angeklagten 39-Jährigen aus dessen Wildhandel und Bäckerei kamen zu Wort. S.' ehemaliger Klassenlehrer, der ihn an der Realschule in Sulzbach von der 5. bis zur 10. Klasse unterrichtet hatte, sagte ebenfalls aus.

Er könne sich noch gut an eine Geschichte seines ehemaligen Schülers erinnern. S. habe einmal abends einschlafen wollen. Elstern hätten aber vor dem Zimmerfenster Lärm gemacht - und ihn damit so wütend, dass er sich ein Gewehr genommen und die Vögel "abgeknallt" habe.

S. habe Angst verbreitet

Am vergangengen Donnerstag hatten mehrere Jäger zum 39-jährigen Hauptangeklagten S. ausgesagt. Demnach sollen viele Angst vor S. gehabt haben, der schon vor der Tat Ende Januar oft damit gedroht hätte, er würde sich den Weg freischießen, wenn sich ihm jemand beim Wildern in den Weg stellen würde.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 19.07.2022 berichtet.

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