Eingang der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Homburg (Foto: SR)

Staatsanwaltschaft verteidigt Vorgehen

Thomas Gerber   05.05.2021 | 06:59 Uhr

Der Untersuchungsausschuss zum mutmaßlichen Missbrauchsskandal an der Uniklinik hat sich mit der Rolle der Staatsanwaltschaft befasst. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum die möglichen Opfer der sexuellen Übergriffe und ihre Eltern nicht früher informiert worden waren.

Fünf gestandene Juristen und Juristinnen wurden vom U-Ausschuss vernommen - alle verteidigten sie ihr Vorgehen. Von der seinerzeit ermittelnden Staatsanwältin bis hin zur damaligen Justizstaatssekretärin Anke Morsch - sie sahen keine juristische Handhabe, die Betroffenen zu informieren. Denn nach dem Tod des offenbar pädophilen Assistenzarztes habe das Ermittlungsverfahren eingestellt werden müssen.

Video [aktueller bericht, 04.05.2021, Länge: 2:40 Min.]
Untersuchungsausschuss: Versagte die Staatsanwaltschaft?

Zu vager Verdacht gegen Arzt?

Um die Eltern über den schlimmen Verdacht in Kenntnis zu setzen, sei der Verdacht gegen den Arzt damals einfach zu vage gewesen. Ex-Staatssekretärin Morsch wies darauf hin, dass sie sich gar strafbar gemacht hätte, hätte sie beispielsweise dem Kollegen aus dem Gesundheitsministerium einen kurzen Hinweis gegeben, in Homburg mal genauer hinzuschauen.

Mutmaßlicher Missbrauch an Uniklinik: Staatsanwaltschaft verteidigt Vorgehen
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 05.05.2021, Länge: 03:55 Min.]
Mutmaßlicher Missbrauch an Uniklinik: Staatsanwaltschaft verteidigt Vorgehen

Zudem blieb die SPD-Politikerin bei dem, was sie bereits vor knapp zwei Jahren auf SR-Anfrage erklärt hatte. Sie sei 2016 davon ausgegangen, dass die Klinik selbstverständlich die Eltern informiert. In dem Vermerk, den sie damals durchgewunken hatte, steht allerdings das Gegenteil, nämlich dass die Uniklinik genau das nicht wollte. Wie das zusammenpasst, blieb im U-Ausschuss offen.

Eltern und ehemalige Patienten hatten erst 2019 von dem Verdacht erfahren - drei Jahre später als die Ermittler.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.05.2021 berichtet.

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