Röntgenaufnahme und Verpackungsfoto von untersuchten Produkten (Foto: Verbraucherzentrale Hamburg/Pressefoto)

Luftverpackungen: Müllflut im Supermarkt

Kai Forst   06.12.2018 | 06:30 Uhr

Trotz akuter Probleme mit Plastik in der Umwelt produzieren die Hersteller von Fertiglebensmitteln und Drogerieartikeln noch immer unnötigen Verpackungsmüll. Zu dieser Erkenntnis kommt die Verbraucherzentrale Hamburg, die Produkte mit einem Röntgengerät durchleuchtet hat. Fazit: Häufig verlieren sich die Produkte in Luftverpackungen.

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Wie kann man es schaffen, weniger Plastikmüll zu produzieren? Eine Frage, die sich immer mehr Menschen stellen. Doch in der Praxis ist das nicht immer einfach – auch weil die Hersteller ihre Produkte noch immer in deutlich zu viel Plastik verpacken. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 14 Produkte mit einem Röntgengerät durchleuchtet – mit einem erschreckenden Ergebnis: Die durchschnittliche Höhe des Verpackungsanteils ohne Inhalt betrug 59 Prozent. Die Höhe des tatsächlich gefüllten Teils der Verpackung lag im Mittel bei nur 41 Prozent. 

83 Prozent der Packung ohne Inhalt

Am schlechtesten schnitt ein der „Mondamin Lieblingsgrießbrei Klassische Art“ von Unilever ab. Bei einer Tütenhöhe von 18 Zentimetern sind fast 15 Zentimeter oder 83 Prozent der Packung ohne Inhalt. Das „Risotto Milanese“ von Riso Scotti kommt auf Platz zwei. Der zu 81 Prozent leere Standbeutel täuscht deutlich mehr Inhalt vor. Auf Platz 3 landen die „Finish Powerball All In 1 Citrus Tabs“ von Reckitt Benckiser.

Luftverpackungen

27 Geschirrspültabs verlieren sich in einer überdimensionalen Plastikverpackung. Die ermittelte Höhe des Luftanteils beträgt 74 Prozent. "Alle reden davon, dass Verbraucher bewusster konsumieren und Müll vermeiden sollen, doch in den Supermarktregalen ändert sich seit Jahren nichts", kritisierte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Dort stehen nach wie vor viele Produkte, deren Inhalt sich in einer übermäßig großen Packung verliert.“

Rechtlich kaum zu beanstanden

Dabei ließe sich viel Verpackungsmaterial einsparen, wenn die Verpackungen vollgefüllt wären. Der Hersteller Procter & Gamble könnte nach den Berechnungen der Verbraucherzentrale Hamburg etwa auf 20 Tonnen Plastik verzichten, wenn er die gleiche Menge seines flüssigen „Lenor Vollwaschmittels Weiße Wasserlilie“ nicht wie derzeit in 1.000.000 Flaschen mit niedrigerem Füllstand, sondern in 800.000 vollen Plastikflaschen auf den Markt bringen würde.

Rein rechtlich seien Luftpackungen kaum zu beanstanden, wie Valet erklärte. Fehlende Vorgaben im Eich- und Verpackungsrecht gäben Herstellern viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Produkte.

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