Krankenhäuser im Saarland: Knappschaftskrankenhaus in Püttlingen (Foto: Pasquale D’Angiolillo)

Sachverständiger wirft Püttlinger Klinik Behandlungsfehler vor

Thomas Gerber / Onlinefassung: Anne Staut   20.04.2022 | 16:00 Uhr

Im Zusammenhang mit dem Tod eines Tumorpatienten hat es in der Knappschaftsklinik Püttlingen möglicherweise massive Behandlungsfehler gegeben. Das wurde am Mittwoch im Prozess gegen einen St. Ingberter Pathologen bekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Im Prozess gegen einen St. Ingberter Pathologen, der zahlreiche falsche Krebsdiagnosen gestellt haben soll, hat es am Mittwoch Hinweise auf Behandlungsfehler bei einem Tumorpatienten in der Knappschaftsklinik Püttlingen gegeben. Der Patient war 2018 im Darmkrebszentrum der Klinik behandelt worden und später verstorben.

Sachverständiger sieht zahlreiche Behandlungsfehler

Ein Sachverständiger von der Uniklinik Köln ließ kein gutes Haar an seinen Püttlinger Kollegen. Im Fall des verstorbenen 55-Jährigen listete der Tumorchirurg zahlreiche Behandlungsfehler auf.

Beginnend bei der Diagnostik: So hätte bei der Darmspiegelung nicht nur eine Gewebeprobe entnommen, sondern der Polyp bereits komplett abgetragen werden müssen.

Vorwürfe an Oberärztin

Die Gewebeprobe sei dann von dem Beschuldigten H. falsch als bösartig diagnostiziert worden und habe zu der überflüssigen Operation geführt. In deren Nachgang habe es dann Komplikationen gegeben, die zu spät behandelt worden seien.

Besonders hart ging der Sachverständige mit einer Oberärztin ins Gericht. Die habe einen Assistenzarzt abends von zuhause aus angewiesen, keine OP einzuleiten, sondern bis zum nächsten Morgen zu warten. Das, so der Sachverständige, gehe bei einem septischen Patienten gar nicht.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ärzte

Der 55-Jährige starb einige Tage später an einem Multiorganversagen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Verfahren wegen der Behandlungsfehler eingeleitet. Sie ermittelt nun gegen acht Ärzte und Ärztinnen der Püttlinger Tumorkonferenz. Dabei geht es um den Verdacht der fahrlässigen Tötung.

Den beschuldigten Pathologen hat der Sachverständige mit seiner Aussage hingegen eher entlastet. Der 63-Jährige steht seit Mitte April vor Gericht.

Ihm wird vorgeworfen, zahlreiche falsche Krebsdiagnosen gestellt zu haben. Dadurch seien zum einen unnötige Krebsoperationen durchgeführt und zum anderen Patienten zu spät behandelt worden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 20.04.2022 berichtet.

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