Der mRNA-COVID-19 Impfstoff von Biontech / Pfizer und Moderna (Foto: picture alliance / Pressebildagentur ULMER | ulmer)

"Keine Bedenken bei Moderna"

Kai Forst   23.11.2021 | 11:00 Uhr

Das Bundesgesundheitsministerium will bei den Booster-Impfungen verstärkt auf Moderna setzen. Das sorgt offenbar für Unsicherheiten innerhalb der Bevölkerung. Die saarländische Immunologie-Professorin Martina Sester gibt Entwarnung. „Im Zweifel ist man mit Moderna sogar besser geschützt“, sagt die Wissenschaftlerin im SR-Interview.

Die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), künftig nur noch 30 Dosen des Biontech-Impfstoffs an Arztpraxen auszuliefern, hat für viel Kritik gesorgt. So drohen Arztpraxen im Saarland damit, aus der Impfkampagne auszusteigen. Aber auch die Unsicherheit innerhalb der Bevölkerung ist groß. Die Angst: Bin ich mit Moderna ebenso gut geschützt wie mit Biontech?

Prof. Dr. Martina Sester (Foto: Universität des Saarlandes/Oliver Dietze)
Prof. Dr. Martina Sester: "Die über 30-Jährigen sind wunderbar bedient mit Moderna. Da gibt es überhaupt keine Bedenken."

Die Immunologie-Professorin Martina Sester von der Universitätsklinik Homburg beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja. Man könne sowohl mit Biontech als auch mit Moderna sehr gute Immunantworten erzielen. Das habe sogar jüngst eine Studie belegt. „Dort sehen wir, dass die jeweiligen Moderna-Kombinationen eine höhere Immunantwort erzielen als die Biontech-Kombinationen. Das heißt, man ist vielleicht sogar etwas besser mit Moderna geimpft und geboostert als mit Biontech“, sagte Sester dem SR.

"Hauptsache, man bekommt einen dieser Impfstoffe"

Letztendlich spiele es keine Rolle, ob man mit Moderna oder Biontech geimpft werde. „Hauptsache, man bekommt einen dieser beiden Impfstoffe. Denn wir haben sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen wunderbare Ergebnisse mit Blick auf die Schutzwirkung.“ Die Debatte, die nun im Zuge der Biontech-Deckelung geführt werde, sei daher eine "Luxus-Diskussion". Wichtig sei es nun, dass man die Menschen aufkläre und ihnen klar mache, dass sie nicht beunruhigt sein müssten, wenn sie nicht den Impfstoff bekämen, den sie vorher hatten, betonte Sester.

Jeder mRNA-Impfstoff für eine Auffrischungsimpfung geeignet
Audio [SR 1, (c) Isabelle Tentrup, Dr. Jürgen Rissland, 23.11.2021, Länge: 03:18 Min.]
Jeder mRNA-Impfstoff für eine Auffrischungsimpfung geeignet

Unter 30-Jährige mit Biontech impfen

Gleichzeitig verwies die Immunologin auf die Empfehlung der STIKO, Moderna nicht bei unter 30-Jährigen zu verwenden, da bei dieser Altersgruppe das Risiko einer Herzmuskelentzündung höher sei als beim Impfstoff von Biontech. „Das sollte man natürlich beachten, d.h. die Dosen, die es an Biontech gibt, sollten dann die unter 30-Jährigen bekommen.“ Die über 30-Jährigen seien aber „wunderbar bedient“ mit Moderna. „Da gibt es überhaupt keine Bedenken“, sagte Sester.

"Früher oder später wird man sich infizieren"

Mit Blick auf die derzeitige Infektionslage betonte die Homburger Wissenschaftlerin, dass man es nicht werde verhindern können, dass das Virus jetzt durch die Bevölkerung rausche. Früher oder später werde man sich infizieren. „Daher ist die Impfung so wichtig, und dass man immunologisch geschützt ist“.

Auch der Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Homburger Uniklinik sieht kein Problem in Auffrischimpfungen mit dem Impfstoff von Moderna, auch wenn zuvor bereits zwei Dosen Biontech verimpft worden waren. Für die Auffrischimpfungen werde der Impfstoff nur in der halben Dosierung verwendet. Dadurch sei aber auch die Nebenwirkungsrate niedriger.

Über dieses Thema hat auch die SR-Fernsehsendung "aktuell 16.00 Uhr" am 23.11.2021 berichtet.

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